Geborgenheit (3)

Wie Sie wissen, kenne ich nur 2 Zustände: Gesundheit und Krankheit. Heißt übersetzt: Geborgenheit und Angst. Als Kind gab es beide sozusagen umsonst, als Erwachsener muss man sich darum selbst kümmern ! (News v. 13.01.2014) Geborgenheit oder Sicherheit, wenn man so will, ist das entscheidende Lebensgefühl. Genau das, was zwischen gesund und krank, was zwischen glücklich und depressiv entscheidet.

Genau um dieses Lebensgefühl geht es mir auch im Umgang mit Ihnen, liebe Mitmenschen, lieber Patient. Genau darum schreibe ich auch täglich „News“. In welchen ich versuche, Ihnen auch die weitaus größere Zahl positiver wissenschaftlicher Erkenntnisse mitzuteilen. Wissend, dass die Medien vom Gegenteil leben und Ihnen eher kein Gefühl der Geborgenheit vermitteln. (News v. 16.01.2012)

Geborgenheit ist das wahre Geheimnis eines langen, gesunden Lebens.

Das Geheimnis wohl der Naturvölker. Geborgenheit ist die „wohlige Wärme“, die man spürt und hat oder – in aller Regel – eben nicht spürt und nicht hat. Und weil der Mensch im Prinzip immer nach diesem Geborgenheitsgefühl sucht, gibt es auch die Religionen …

Geborgenheit hat aber noch eine weitere Quelle: die Evolution.

Die Schuld daran trägt, dass sich der Mensch seit jeher als „Herdentier“ versteht. Dass man also lieber in Gesellschaft lebt als allein. Das liegt auch daran, dass man zu zweit, zu dritt oder in der Gruppe den Alltag zumeist besser bewältigen kann. Will heißen,

  • mehr Nahrung herbeischaffen kann,
  • Kinder und Ältere besser versorgen kann,
  • sich besser schützen und verteidigen kann.

Das sind die funktionellen Vorteile. Darüber hinaus gibt es auch noch eine emotionale Komponente. Wir sind soziale Wesen. Wir brauchen Geborgenheit, Gespräche, Liebe, Trost. Kurz gesagt, die Interaktion mit anderen Menschen. Am besten mit Gleichgesinnten.

Gute Freunde wirken ähnlich wie ein (gutes ?) Medikament. Schon deren Anwesenheit

  • verringert die Ausschüttung des Stresshormons Cortisol und
  • stimuliert die Ausschüttung des Bindungshormons Oxytocin.

Sie erinnern sich: Oxytocin gilt als das Kuschelhormon. Das Hormon, welches u.a. die Bindung in der Ehe erhält. Das beruhigend auf die Amygdala wirkt, uns also nicht (permanent) in Alarmbereitschaft versetzt.

Heutzutage sieht das Zusammenleben – zumindest in Deutschland – nicht mehr so rosig aus:

  • Über 16 Mio. von fast 83 Mio. Deutschen leben ohne Partner, Familie, Freunde.
  • Laut statistischem Bundesamt gibt es 41 % Single-Haushalte. Tendenz steigend.

Das bedeutet, dass viele Menschen einsam sind. Und

Einsamkeit macht krank.

Oder wie es in einer Studie der Brigham Young University Utah heißt: Einsamkeit schadet. Ganz konkret:

  • Sie hat genauso negative Auswirkungen, wie der Verzicht auf Sport.
  • Sie ist genauso schädlich wie Alkoholmissbrauch.
  • Sie ist so schädlich wie das Rauchen von täglich 15 Zigaretten.
  • Sie hat einen doppelt so belastenden Effekt auf den Körper wie Fettleibigkeit.

Außerdem kann ein Leben ohne soziale Kontakte Depressionen und andere psychische Erkrankungen hervorrufen:

  • Neurowissenschaftler heute wissen, dass einsame Menschen innerhalb von 7 Jahren (solange wurde beobachtet) ein um 26 % höheres Sterberisiko haben.

Warum ? Messbar:

  • Einsamkeit aktiviert Entzündungsgene
  • und schadet dem Immunsystem.

Es kommt also nicht von ungefähr, dass in Kulturen weltweit die Familie hochgehalten wird. Dort kümmert man sich umeinander. Dort werden die Großeltern nicht ins Altenheim „abgeschoben“. Da helfen sich die Generationen noch gegenseitig. Da kann man sich sozusagen „auf die Familie“ verlassen. Der Hauptgewinn aber ist für jedes Mitglied das Gefühl, um das sich in Wahrheit alles dreht:

GEBORGENHEIT

QUELLE: „Tag für Tag jünger“ von Prof. Dr. Marion Kiechle / Julie Gorkow

Bisherige News: Geborgenheit (2) am 29.12.2012, Geborgenheit (1) am 22.06.2010

Haben auch Sie Rücken ?

„Deutschland hat Rücken“ lautet der Titel eines SPIEGEL-Bestsellers von Dr. Petra Bracht und Roland Liebscher-Bracht. Ein Büchlein, das mir zunehmend Freude bereitet. Weil es sich nicht nur gründlich und umfassend mit dem typischen Rückenschmerz beschäftigt, sondern auch sehr anschaulich und praktisch Vorschläge macht, wie man nach langen, langen Jahren endlich einmal schmerzfrei wird. Betrifft jedenfalls viele von uns …

Das gelingt mit einer Grundidee. Mit einem Bild. Ein Bild ist unerlässlich, wenn sich ein Mensch ändern möchte. Man braucht eine Vorstellung. Auch von der Ursache seiner Beschwerden. Erst dann kann man selbst tätig werden oder die richtigen Fachleute um Hilfe bitten.

Die Grundidee lässt sich wie folgt skizzieren:

  • Der Mensch hat eine Vorder- und eine Rückseite. An beiden Seiten gibt es Muskeln. So ist es doch seltsam, dass fast immer nur die Rückseite schmerzt. Warum schmerzt ganz selten die Vorderseite ? Die einfache Erklärung: Weil nicht der verkürzte Muskel schmerzt, sondern nur der gedehnte Muskel. Der Schmerz entsteht auch nicht im Muskel selbst, sondern an den Sehnenansätzen. Dort, an den Muskelenden sitzen Schmerzrezeptoren. Wird der Muskel stark gedehnt, melden die „Vorsicht, Verletzungsgefahr!“ und tun weh.
  • Nun ist der Mensch fast immer nach vorne gebeugt. Beim Sitzen, auch beim Schlafen (in der typischen Seitenlage), vielfach auch beim Gehen und Laufen. Heißt übersetzt:

die Vorderseite verkürzt !

Bauchmuskeln ziehen sich zusammen, desgleichen die Beckenbeuger. Die „sitzen“ im Becken. Ziehen Sie einfach mal das Bein an, dann wissen Sie Bescheid.

  • Wenn der Mensch nach vorne gekrümmt ist (am Schreibtisch ?), so werden notgedrungen die Muskeln an der Rückseite gedehnt. Die Rückenmuskeln oft „dauergedehnt“ und nicht im dynamischen Wechsel wie beim Sport.

So beginnt der Rückenschmerz.

Gegenstrategie ? Da kommen Sie vermutlich auch selbst drauf. Das Prinzip heißt

SICH AUFRICHTEN !

Eine gerade Haltung. Das Ideal ist wieder einmal die oft kolportierte Afrikanerin, die in der Steppe 10 km mit dem Wasserkrug auf dem Kopf – gleichsam schwebend ! – dahinschreitet. Dort ist nix verkürzt und „verdehnt“. Die Dame kann gar keine Rückenschmerzen bekommen !

Ist übrigens auch Grundidee der Feldenkrais-Methode. Äußerst hilfreich – hab genügend eigene Erfahrung. Die manuelle Therapie auf modern heißt Faszientherapie. Dabei erspüren hilfreiche Hände die Schmerzpunkte (Triggerpunkte) in Ihrem Rücken, Gesäß, den Oberschenkeln und entspannen diese. Leider nur kurzfristig …

Das Besondere an dem Büchlein „Deutschland hat Rücken“ ist: Es beantwortet jede, buchstäblich jede Frage, die man zum Thema haben könnte. Von der „Mode-Diagnose Iliosakralgelenk (ISG)“ bis hin zu „Hilft Krafttraining?“.

Gegen Stress

Stress halte ich für etwas Wunderbares. Treibt mich jeden Tag aufs Neue an – auch zu schweißtreibendem Sport. Hält mich jung ! Oder etwa nicht ? Die Wissenschaft weiß es scheinbar besser: „Accelerated Telomere Shortening in Response to Life Stress“ (Proc Nat Acad Sciences Bd. 101, Nr. 49 28.09.2004). Behauptet die Nobelpreisträgerin Elizabeth Blackburn. Widerspricht mir also …

Doch, auch ein Provinzarzt kann genau lesen. Frau Blackburn meint ausdrücklich chronischen Stress. Dieser Stress muss also andauernd und lange wirken, um die Telomere zu verkürzen und damit auch das Überleben der einzelnen Zelle und letztlich des ganzen Körpers. Heißt:

Chronischer Stress lässt Sie schneller altern und früher sterben.

Das wissen auch die meisten Menschen. Aber wie vermeiden ? Mir hat man einmal geraten: „Treten Sie einfach kürzer.“ Habe dann zurückgefragt: „Wie geht das?“ Gibt es nicht noch eine Alternative ? Doch, gibt es: In einer genauso interessanten Studie (http://jn.nutrition.org/content/139/7/1273.full.pdf) wird gezeigt, dass man statt „Stressabbau“ auch einen einfacheren Weg gehen kann.

Den Weg der Nahrungsergänzung (NEM) …

Heißt für mich dann aber beides anstreben: NEM + Meditation. Oder NEM + lange Läufe. Nachzulesen in „Laufend gesund“. Ein Buch über das meditative Laufen. Der Autor dürfte Ihnen ohnehin bekannt sein …

Die genannte Studie zeigt nämlich, dass Menschen mit den längsten Telomeren auch hohe Konzentrationen von einigen (spezifischen) Vitaminen und Mineralstoffen im Blut aufwiesen. Daraus – und auch aus anderer Literatur – resultiert hier die folgende Empfehlung:

Nahrungsergänzung                                                    Empfohlene Menge / Tag

Vitamin B12                                                                               500-1.000 mcg

Folsäure                                                                                             800 mcg

Vitamin C                                                                                              1-3 g

Vitamin E (Tocotrienole)                                                              40 mg

Zink                                                                                                     25-50 mg

Magnesium                                                                                 400-800 mg

Und Zitat:

Die gesamte Familie der B-Vitamine ist positiv mit längeren Telomeren verknüpft. Zusätzliche Studien haben auch Beta-Carotin, Vitamin A, Vitamin D und das Mineral Eisen als notwendige Faktoren für die Entwicklung und Erhaltung von DNA und die Verhinderung der vorzeitigen Telomerverkürzung festgestellt.

Wenn Sie der Tabelle noch Vitamin D und Vitamin K2 hinzufügen… ist sie praktisch perfekt. Dann noch ein bis an die Obergrenze gefülltes Aminogramm … und die nächsten 40-50 Jahre können kommen !

QUELLE: Gregg Braden „Mensch: Gemacht“

PS: Wird Ihnen die Rente reichen ?

Ausdauersport oder Kraftsport ?

Nehmen wir mal an, Sie erinnern sich stets an die News vom 21.06.2018, wonach der Lebensstil über Ihre Gesundheit und Lebensfreude entscheidet. Auf bayerisch: „Ihr Lifestyle“. Und nehmen wir weiters an, Sie haben verstanden, dass jedes Lebewesen auf dieser Welt – Ausnahme Mensch – instinktiv versucht, sich beim Lebensstil optimal zu verhalten. Sich also regelmäßig bewegt, sich absolut naturnah und frisch ernährt und des Öfteren mal träumt. Stichwort Wiederkäuer … Ein 4. Punkt ist mir diesbezüglich noch nicht eingefallen. Ihnen ?

Aber: Gibt es dabei Unterschiede ? Gibt es Lebensstile, die sich mehr lohnen als andere ? Heißt in unserem konkreten Fall:

Ausdauersport versus Kraftsport

Diese Frage ist intelligenter als sie zunächst scheint. Denn niemand geringerer als Prof. Gerhard Uhlenbruck (Immunologe, Marathonläufer, fast 90) sagt: „Nur die Muskelmasse bewirkt, dass man gesund ist !“ Darüber denkt man dann natürlich nach. Erst recht, wenn man ein Läufer ist. Täglich durch den Wald huscht und ab und zu einen Marathon bewältigt.

Oder anders gefragt: Gibt es Kriterien, welcher Sport denn besser ist ? Dazu müsste man wohl Studien analysieren. Messkriterien wären z. B. „Schlankheit“ oder „Fettverbrennung“ oder „tiefes Cholesterin“ oder „langes Leben“. Derartige Studien sind jedoch rar. Ich habe gerade auch keine parat …

Da kommt uns aber Prof. Ulrich Laufs (sollten Sie kennen) gerade recht. Ist inzwischen Professor für Kardiologie an der Uni Leipzig und beschäftigt sich schon seit langem mit den

Telomeren.

Faszinierend auch für mich, weil ich die Telomere für das wahre Kriterium halte, ob irgendein Sport, ob irgendeine Ernährung besser oder schlechter ist. Telomere sind bekanntlich die Endkappen der Chromosomen. Ihre Länge gilt als Marker für das biologische Alter eines Menschen. (News v. 28.04.2018) Unterhalb einer bestimmten Länge kann sich die Zelle nicht mehr teilen und stirbt …

Andererseits können Telomere durch ein Enzym, die Telomerase, auch wieder verlängert werden. Das ist per se schon eine unglaubliche Nachricht – oder vielleicht nicht ? Und genau um die Aktivierung dieses Enzymes, der Telomerase, geht es im Leben. So untersuchte Prof. Laufs 266 gesunde Nicht-Sportler um die 50 Jahre und konnte klar zeigen:

  • Krafttraining verändert die Telomere nicht.
  • Ausdauertraining (3 x pro Woche) verlängerte die Telomere um 3,5 %.

Joggen lohnt sich also. Lohnt sich mehr als Krafttraining. Endgültige Bestätigung ! Und Prof. Uhlenbruck würde wohl lächelnd einwerfen:

Der kluge Mensch macht natürlich Ausdauersport UND Kraftsport !

Damit hat er Recht. Wie immer.

QUELLE: Eur. Heart J, ehy 585, 28.11.2018