Burnout ist messbar

Eine wunderschöne Aussage ! Messen heißt im Allgemeinen etwas verstehen und schlussendlich heilen. Wird aber in der Drohmedizin, in der Schulmedizin kaum getan. Sondern da wird über Burnout spekuliert und philosophiert. Ob da nicht „nur“ eine Erschöpfung vorläge, ob das nicht vielleicht „nur“ eine Depression sei, ob man in diesem oder jenem Fall tatsächlich von „echtem“ Burnout sprechen könne …

Die philosophische Hilflosigkeit spiegelt sich dann auch in der Therapie. Therapie heißt dann in der Regel sich schonen, auf Kur gehen oder die klassische Methode: Psychopharmaka schlucken.

Dass das Messen verstehen heißt und oft auch Heilung, hat uns schon Frau Dr. Terry Wahls an sich selbst bewiesen. Glauben Sie, liebe Leser, dass sich diese Revolution in der Behandlung der Multiplen Sklerose schon an deutschen Universitäten herumgesprochen hat? Die Heilung mit Eiweiß und Vitaminen?

Burnout ist messbar. Wir tun’s jedenfalls und finden dabei in der Blutanalyse immer wieder ein klassisches Muster:

  1. Hormonelles Ungleichgewicht: Will heißen chronisch erhöhtes Stresshormon Cortisol und chronisch erniedrigtes Testosteron, also Antrieb. Die 2 Hormone gehören zusammen. Dabei ist das Wort chronisch wichtig: Kurzfristig erhöhtes Cortisol ist bei Hochleistungssportlern durchaus erwünscht und steigert die Leistung. Aber chronischer Stress erschöpft den Körper. Cortisol sinkt dann sogar auf Dauer wieder ab: Keine Reserven mehr. So, dass in einem späten Stadium von Burnout sogar beide Hormone auffällig tief sind.
  2. Ein erschöpftes Immunsystem ist auch beteiligt: Frau Prof. C. Perth vom NIH hat schon recht, wenn sie das Immunsystem bei fast allen Krankheiten in den Vordergrund stellt. Und wie misst man das? Am einfachsten auf einem kleinen Umweg. Unser häufigstes Virus (95 % der Bevölkerung) ist das Eppstein Barr Virus. EBV. Mononukleose. Pfeiffer’sches Drüsenfieber. Und bei erschöpftem Immunsystem finden sich die Abwehr-Titer gegen das Virus chronisch erhöht. Also nicht kurzfristig, wie es normal ist, sondern eben permanent. Das Immunsystem wird damit nicht mehr fertig. Heißt bei Sportlern, dass die oft nicht einmal mehr 50 m joggen können. Das muss man sich mal vorstellen. Da bekommt man tiefes Mitgefühl mit Burnout-Patienten.
  3. Ein trauriges Aminogramm: Also massive Defizite bei den 9 essentiellen Aminosäuren. Der Grundstruktur unseres Körpers und der meisten Hormone. Also ein Mangel an Tryptophan und damit depressive Stimmung (Prof. Florian Holsboer, München), ein Mangel an Phenylalanin und damit fehlender Antrieb, keine Motivation, keine Lebenslust (Noradrenalin). Tiefe Spiegel der 3 BCAA und damit zu wenig Kraftwerke in den Zellen (News auf strunz.com vom 15.12.2010). Und natürlich ein inkompetentes Immunsystem. Das besteht schließlich zur Gänze aus Aminosäuren.

Langsam, langsam aber blüht das seltene Wissen um den analytischen Zugang zum Burnout glücklicherweise auf. So stand in einem Artikel der Salzburger Nachrichten vom April 2012 doch tatsächlich:

Beim Ermitteln des Burnout-Syndromes mittels Bluttest kann man in den allermeisten Fällen eine sog. Mitochondriopathie feststellen, das bedeutet eine beschränkte Energiegewinnung. Die Körperenergie funktioniert also nicht mehr reibungslos ….

Oder auch

das Gefühl, nicht mehr weitermachen zu können, ist ein typisches Burnout-Symptom und die Folge von akutem Nährstoffmangel.

Nach meiner Erfahrung eher von chronischem Nährstoffmangel !

Rückenschmerzen richtig verstehen

Die sind nämlich fast immer gutartig. Und gehen – fast immer – wieder weg, wenn man seine Komfort-Zone verlässt. Wenn man die Beine in die Hand nimmt und aktiv wird. Das ist die Botschaft hinter einem selten glücklichen, psychologisch außerordentlich geschickten Interview im neuen „Spiegel“ (DER SPIEGEL 6/2018, S. 96). Es äußert sich ein Physiotherapeut vom Rückenzentrum Am Michel in Hamburg.

Der nachgedacht hat. Und sehr viel davon hält, dass der Patient seinen Schmerz „verstehen“ sollte. Was in der Regel eben nicht der Fall wäre. Der Patient bekäme viel mehr ein drohmedizinisches, falsches wie schlimmes Bild von seiner Wirbelsäule und/oder von seinen Bandscheiben vermittelt. Verzweifelt dann innerlich und … steht der Heilung selbst im Weg. Das Interview ist so geschickt und klug, dass ich es hier einfach wörtlich wiedergeben möchte. Also Zitat:

SPIEGEL: Sie sagen, viele Patienten hätten eine falsche Vorstellung, warum der Rücken wehtut. Was meinen Sie damit?

Richter: Unbedachte Aussagen von Ärzten, Osteopathen, Physiotherapeuten werden als Drama und Katastrophe verstanden. Ein Beispiel: Wenn der Behandler sagt, die Lendenwirbelsäule sei nicht stabil genug, dann meint er eigentlich nur, die Muskulatur arbeite nicht harmonisch – doch der Patient hört, die Region könnte bald auseinander brechen oder sei verrutscht. Tatsächlich ist es aber eine normale Erscheinung des Alterns. Auch Begriffe wie „degeneriert“ oder „verschlissen“ werden so verstanden, dass der Rücken kaputt ist. Daraufhin schützt und schont der Patient seine Lendenwirbelsäule – und macht den Schmerz hierdurch noch schlimmer.

SPIEGEL: Wer zu verschiedenen Behandlern geht, der bekommt oft sehr unterschiedliche Erklärungen für seinen Schmerz serviert. Warum ist das so?

Richter: Die Erklärungsmodelle der verschiedenen Heilberufe können sehr unterschiedlich sein, erst recht, wenn die Beschwerden bei einem Patienten nicht weggehen. Deswegen bekommt er unzählige Befunde und Diagnosen zu hören. Der Patient versteht das leider so: Was ich habe, ist so komplex, dass keiner die Ursache finden kann. Wir sehen Patienten, die kommen mit Aktenordnern voller Diagnosen und Berichte. Sie werden vom System regelrecht krank gehalten.

SPIEGEL: Was empfehlen Sie?

Richter: Zu Beginn sollte der Behandler den Patienten systematisch informieren: Schmerz ist ein Frühwarnsystem, das bereits aktiviert wird, wenn potenzieller Schaden droht oder erwartet wird, auch wenn gar keine Struktur beschädigt ist. Schmerz ist also nicht identisch mit einem Gewebeschaden – und deshalb kann man trotz Rückenschmerzen aktiv sein. Mit dieser Botschaft bekommen wir viele chronische Patienten wieder zurück in die Aktivität.

SPIEGEL: Hilft Ihr Ansatz auch Menschen mit nur gelegentlichen Beschwerden?

Richter: Rückenschmerz ist nahezu immer gutartig und geht von allein weg – wenn das mehr Menschen wüssten, dann gäbe es für viele Hausärzte, Orthopäden und Physiotherapeuten gar nicht mehr die Möglichkeit, das Krankheitsbild Rückenschmerz so aufzubauschen.

FAZIT: Wir Ärzte sollten sehr auf unsere Worte achten. Meinen es oft gar nicht böse, werden aber noch schlimmer verstanden – mit schwerwiegenden Folgen für den Krankheitsverlauf. Und besonders wichtig scheint mir auch die Aussage, dass man „trotz Rückenschmerzen aktiv sein“ solle. Also sich eben gerade nicht schonen müsse. Wieder einmal lernen wir, dass Heilung auf Aktivität beruht !

Übrigens: Das Schmerzmittel Diclofenac (ein NSAR) hilft Ihnen auch, schädigt aber über Jahre genommen ziemlich sicher und unwiderruflich die Nieren. (News vom 11.03.2018)