Haben auch Sie Rücken ?

„Deutschland hat Rücken“ lautet der Titel eines SPIEGEL-Bestsellers von Dr. Petra Bracht und Roland Liebscher-Bracht. Ein Büchlein, das mir zunehmend Freude bereitet. Weil es sich nicht nur gründlich und umfassend mit dem typischen Rückenschmerz beschäftigt, sondern auch sehr anschaulich und praktisch Vorschläge macht, wie man nach langen, langen Jahren endlich einmal schmerzfrei wird. Betrifft jedenfalls viele von uns …

Das gelingt mit einer Grundidee. Mit einem Bild. Ein Bild ist unerlässlich, wenn sich ein Mensch ändern möchte. Man braucht eine Vorstellung. Auch von der Ursache seiner Beschwerden. Erst dann kann man selbst tätig werden oder die richtigen Fachleute um Hilfe bitten.

Die Grundidee lässt sich wie folgt skizzieren:

  • Der Mensch hat eine Vorder- und eine Rückseite. An beiden Seiten gibt es Muskeln. So ist es doch seltsam, dass fast immer nur die Rückseite schmerzt. Warum schmerzt ganz selten die Vorderseite ? Die einfache Erklärung: Weil nicht der verkürzte Muskel schmerzt, sondern nur der gedehnte Muskel. Der Schmerz entsteht auch nicht im Muskel selbst, sondern an den Sehnenansätzen. Dort, an den Muskelenden sitzen Schmerzrezeptoren. Wird der Muskel stark gedehnt, melden die „Vorsicht, Verletzungsgefahr!“ und tun weh.
  • Nun ist der Mensch fast immer nach vorne gebeugt. Beim Sitzen, auch beim Schlafen (in der typischen Seitenlage), vielfach auch beim Gehen und Laufen. Heißt übersetzt:

die Vorderseite verkürzt !

Bauchmuskeln ziehen sich zusammen, desgleichen die Beckenbeuger. Die „sitzen“ im Becken. Ziehen Sie einfach mal das Bein an, dann wissen Sie Bescheid.

  • Wenn der Mensch nach vorne gekrümmt ist (am Schreibtisch ?), so werden notgedrungen die Muskeln an der Rückseite gedehnt. Die Rückenmuskeln oft „dauergedehnt“ und nicht im dynamischen Wechsel wie beim Sport.

So beginnt der Rückenschmerz.

Gegenstrategie ? Da kommen Sie vermutlich auch selbst drauf. Das Prinzip heißt

SICH AUFRICHTEN !

Eine gerade Haltung. Das Ideal ist wieder einmal die oft kolportierte Afrikanerin, die in der Steppe 10 km mit dem Wasserkrug auf dem Kopf – gleichsam schwebend ! – dahinschreitet. Dort ist nix verkürzt und „verdehnt“. Die Dame kann gar keine Rückenschmerzen bekommen !

Ist übrigens auch Grundidee der Feldenkrais-Methode. Äußerst hilfreich – hab genügend eigene Erfahrung. Die manuelle Therapie auf modern heißt Faszientherapie. Dabei erspüren hilfreiche Hände die Schmerzpunkte (Triggerpunkte) in Ihrem Rücken, Gesäß, den Oberschenkeln und entspannen diese. Leider nur kurzfristig …

Das Besondere an dem Büchlein „Deutschland hat Rücken“ ist: Es beantwortet jede, buchstäblich jede Frage, die man zum Thema haben könnte. Von der „Mode-Diagnose Iliosakralgelenk (ISG)“ bis hin zu „Hilft Krafttraining?“.

Hilfe nach einem Bandscheibenvorfall

Die sollte natürlich erst gar nicht nötig werden. Oder besser gesagt: Die Befreiung von Kreuzschmerzen. Die tatsächlich bei ca. 75 % „nicht spezifische Kreuzschmerzen“ sind. Aber zurück zum Bandscheibenvorfall. Den kann man im Kernspin sehen. Dazu eine Analyse von Neurochirurg Prof. Dr. Volker Tronnier von der Universität Lübeck:

„Ein Bandscheibenvorfall entsteht durch einen Wasserverlust in der Bandscheibe. Deswegen sind wir am Abend etwas kleiner als am Morgen. Und dann kommt es zu Bewegungen der benachbarten Wirbelkörper.

Der Faserring kann einreißen und ein Vorfall kann austreten. Wenn es uns gelingt, die Wirbelsäule zu stabilisieren und diese minimalen Bewegungen zu verhindern, z.B. durch eine starke Rückenmuskulatur, kann das einer Vorwölbung oder einem Vorfall vorbeugen.“

So beschrieben, scheint mir der ganze Vorgang unausweichlich. Auch an meiner Wirbelsäule lassen sich mehrere Bandscheibenvorfälle aufzeigen. Ich glaubte auch früher, die seien schuld an meinen Schmerzen, doch heute bin ich nicht mehr so naiv. Schuld ist etwas Anderes. Aber hören wir weiter Prof. Tronnier:

Frage: Wann muss bei einem Bandscheibenvorfall operiert werden?

Antwort: Patienten, die keine neurologischen Störungen (Lähmung usw.) sondern nur Schmerzen haben, sollten zuerst immer eine konservative Therapie erhalten. Dabei behandeln wir

  • zuerst den akuten Schmerz medikamentös
  • dann folgt eine physiotherapeutische Behandlung
  • … kann auch eine Muskelkräftigung erfolgen.

Und da kommen wir zum Punkt. Muskelkräftigung. Tatsächlich ist dies die einzig bleibende, auch die einzig richtige Behandlung dann, wenn an der Wirbelsäule etwas kaputtgegangen ist. Es komme nämlich, so Prof. Tronnier, auf die „tiefen Rückenstrecker“ an. Das sind die ganz feinen, kleinen Muskeln direkt an den Wirbeln. Tronnier weiter:

„Die tiefen Rückenstrecker erreicht man mit üblichen Übungen normalerweise nicht. Ich habe eine ganze Reihe Patienten, die Rückenschule oder Yoga machen. Bei denen kann man sehr deutlich sehen, dass zwar die oberflächliche Rückenmuskulatur gut trainiert ist, aber die tiefe Muskulatur, welche für die Stabilisierung verantwortlich ist, werden mit solchen Maßnahmen – ohne Maschine und ohne Beckenfixierung – nicht stärker.“

Was also ist die Lösung? Der massive Aufbau der kleinen feinen Muskeln direkt an den Wirbelkörpern, der sog. tiefen Rückenstrecker. Und das gelingt laut Prof. Tonnier nur mit einer speziellen Maschine. Diese MedX genannte Maschine kennen Sie bereits. (News vom 03.03.2018) Wird aus den USA importiert von Kieser Training. Ich habe darüber auch deshalb, weil ich sie selbstverständlich schon ausprobiert habe. Mit – für mich – sensationellem Erfolg!

Ausdrücklich vom Segen dieser Trainingsmethode spricht Prof. Tronnier bei

  • Bandscheibenvorfall
  • Spinalkanalstenose

Genau dieses letzte Wort ist der Anlass für diesen Artikel. Patient mit Spinalkanalstenose. Operation wird – obwohl er möchte – abgelehnt. Er leidet. Tagtäglich. Kommt aber nicht auf die Idee,

abzuspecken und MedX anzuwenden.

Wobei zusätzlich Physiotherapie (Faszientherapie) und noch viel wichtiger Ausdauersport dazu beitragen würden, verkrampfte Muskeln zu lösen, zu lockern. Ideal wäre also Joggen, notfalls Spinning.

Fazit: Kraft killt Schmerz, in Anlehnung an Prof. Edzard Ernst (London).

QUELLE: Reflex 65