EU will europäische Gesundheitsunion schaffen

Die EU-Kommission hat am 11.11.2020 erste Schritte in Richtung einer europäischen Gesundheitsunion gesetzt. In deren Mittelpunkt steht ein neuer Rechtsrahmen für schwerwiegende, grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren sowie die Aufwertung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).

VIDEO der Pressekonferenz

Das ECDC soll z.B. Empfehlungen für das Risikomanagement machen können und so für mehr Zusammenhalt in der Krisenbekämpfung sorgen. Zudem soll es künftig möglich sein, einen EU-Gesundheitsnotstand auszurufen und dadurch eine engere Koordinierung der Mitgliedsstaaten auszulösen. „Die Coronavirus-Pandemie hat ganz klar gezeigt, dass wir eine engere Kooperation in der EU brauchen, zudem resilientere Gesundheitssysteme und eine bessere Vorsorge vor künftigen Krisen“, untermauerte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Zudem müsse in Zukunft mit grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren anders umgegangen werden. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides (siehe Video) ergänzte: „Sinn und Zweck der europäischen Gesundheitsunion ist, dass wir uns als Union auf gemeinsame Gesundheitsgefahren vorbereiten und dagegen vorgehen. In einer Krise erwarten die Bürger zu Recht, dass sich die EU aktiver einbringt. Heute stärken wir die Grundlagen für eine sicherere, besser vorbereitete und widerstandsfähigere EU im Gesundheitsbereich. Dies wird unsere Fähigkeit zur gemeinsamen Reaktion erheblich verändern.“

Covid-19: EU richtet 5 Botschaften an die Mitgliedsstaaten

Der Europäische Rat innerhalb der EU hat im Rahmen der Corona-Pandemie abermals einen koordinierten Ansatz gefordert. „Die Ausbreitung des Virus wird unsere Gesundheitssysteme überfordern, wenn wir nicht dringend handeln. Und es kommt darauf an, in der gesamten EU kohärent (zusammenhängend) vorzugehen“, sagte Kommissionspräsidentin von der Leyen in der anschließenden Pressekonferenz und richtete 5 Botschaften an die EU-Staats- und Regierungschefs.

VIDEO der Pressekonferenz

(1.) „Wir müssen umfassende und korrekte Daten in Echtzeit an die Plattform des ECDC melden.“ Das würde helfen bei der Einschätzung der Lage und der Koordinierung, z.B. im Hinblick auf die Spitäler und die Behandlung von Patienten über Staatsgrenzen hinweg. Die EU-Kommission stelle 220 Mio. € für die Finanzierung grenzüberschreitender Patiententransfers bereit. (2.) Es soll der Austausch von Erfahrungen und Analysen intensiviert werden. „Wir werden eine Plattform einrichten, die die Spezialisten, die die Regierungen der Mitgliedstaaten beraten, und die Experten, die die EU beraten, zusammenbringt“, erklärte die EU-Kommissionspräsidentin.

(3.) Die Corona-Tests sollen intensiviert werden: „Unser Ziel ist es, das Virus in Schach zu halten, und dafür muss massiv getestet werden“, betonte von der Leyen. (4.) Es soll die grenzüberschreitende Kontaktnachverfolgung verbessert werden. 22 Mitgliedstaaten hätten eine App zur Kontaktnachverfolgung entwickelt. Die Kommission habe dazu einen Datenabgleichdienst eingerichtet, damit alle Apps kommunizieren und die „Interoperabilität“ in der gesamten EU erreicht wird. (5.) Das betrifft die Bemühungen, Impfstoffe bereitzustellen. Dazu handele die EU derzeit mit Pharmakonzernen Abnahmegarantien im Namen der Mitgliedstaaten aus. Die Staaten sollen dazu die Impfpläne übermitteln.

GAMED: Salutogenese ist eine komplett andere Denkweise

Im Vorfeld des Wiener Kongresses „Salutogenese – Wege zur Gesundheit“ am 8./9. 11. 2019 propagierten die Veranstalter im Rahmen einer Pressekonferenz das Konzept der Salutogenese. Laut Gerhard Hubmann, Vizepräsident der Wiener Akademie für Ganzheitsmedizin (GAMED), handelt es sich dabei um keinen Paradigmenwechsel, sondern um eine „Erweiterung der Denkweise der Schulmedizin“. Die Satutogenese wolle wegkommen von der Pathogenese und hin zur Gesundheit und deren Erhaltung. „In 10 Jahren soll jeder Österreicher den Begriff Salutogenese kennen“, wünscht sich Hubmann.

Wiener Ganzheitsmediziner in vollem Einklang mit der Schulmedizin … (Foto: MHJ)

Die Schulmedizin würde sich nunmehr schon seit 30 Jahren mit chronischen Krankheiten beschäftigen. Einen Umstand, den man sich nicht mehr lange wird leisten können. „Im Gesundheitssystem brennt der Hut“, so der GAMED-Leiter. Daher brauche man eine Methode, die der Bevölkerung auch wirklich hilft. Gesundheit sei schließlich für die Menschen „ganz extrem wichtig“ und setzt sich als Salutogenese wie folgt zusammen: 10 % Gene, 35 % soziales Umfeld, 35 % Lebensstil und nur zu 20 % Schulmedizin (Medikamente).

„Man muss das Gesundheitssystem reorientieren“, betonte auch Peter Nowak von Gesundheit Österreich. Salutogenese schließe die Selbstbestimmung mit ein. Das würden die Menschen auch verstehen. Sozusagen die Fähigkeit, den Herausforderungen des Lebens begegnen zu können. Schließlich gelte es in Österreich auch die Patienten mit wenig Gesundheitskompetenz besser zu betreuen. Schon 2012 nämlich wurden sog. Bundesgesundheitsziele formuliert und auch eine Plattform für Gesundheitskompetenz geschaffen.

Verhaftung in Pathogenese

„Wir sind eigentlich nur mehr in der Pathogenese verhaftet“, kritisiert Gerhard Kögler von der Wiener TEM Akademie. Für den auch in China lehrenden Experten ist Gesundheit ein Weg und kein Zustand. Darum auch werde das „epigentische Muster“, also die jeweilige Lebensmelodie, immer wichtiger. Seine individuelle Lebensaufgabe zu finden und zu erfüllen, dieser übergeordnete Sinn ist für eine gelungene Salutogenese „ganz ganz wichtig“. Völlig gesund sei man ohnehin nie und in den USA z.B. gehe die Langlebigkeit auch schon wieder zurück.