Generika in der Schweiz um 42 % teurer als in der EU

Patentgeschützte Medikamente kosten in der Schweiz um 4,5 % mehr als in der EU, patentabgelaufene Medikamente um 10 % und Generika sogar um 42 %. Das ergab der mittlerweile 11. alljährliche Preisvergleich  von Santesuisse und Interpharma, der die Fabrikabgabepreise von Medikamenten mit jenen des europäischen Auslands vergleicht. „Die Pharmaindustrie ist der einzige Akteur im Gesundheitssystem, der mit institutionalisierten Überprüfungen der Medikamentenpreise regelmäßig zur Kostendämpfung beiträgt. Im Hinblick darauf, dass Medikamente nur rund 12 % der gesamten Gesundheitskosten ausmachen, sind auch die übrigen Akteure im Gesundheitswesen gefragt, ihren Beitrag zu leisten“, sagte Rene Buholzer, Geschäftsführer von Interpharma.

Forderung nach Referenzpreissystem

Weil gemäß OECD Daten der Generika-Anteil in der Schweiz mit 27 % im Vergleich zu Deutschland mit 83 % sehr tief ist und die Preise im Vergleich zum Ausland fast doppelt so hoch seien, ließen sich laut Vera Nold von Santesuisse sogar „mehrere hundert Millionen Schweizer Franken einsparen“. Santesuisse möchte daher unbedingt ein Referenzpreissystem einführen !

 

EU-Länder brauchen effektivere und belastbarere Gesundheitssysteme

Die Lebenserwartung in den meisten EU-Ländern liegt inzwischen bei über 80 Jahren, wobei dieser Rekordwert nicht immer mit einem gesunden Älterwerden einhergeht. Das geht aus dem von EU-Kommission und OECD präsentierten Bericht „Gesundheit auf einen Blick: Europa 2016“ hervor. Rund 50 Mio. Europäer seien mehrfach chronisch krank und sogar über eine halbe Million würden alljährlich im erwerbsfähigen Alter an chronischen Krankheiten sterben. Daraus entstehen in der EU jährliche Kosten von 115 Mrd. €.

Informationszyklus von EU und OECD zum Gesundheitszustand in der EU (Infografik: EU Kommission)
Informationszyklus von EU und OECD zum Gesundheitszustand in der EU (Infografik: EU Kommission)

Als Konsequenz aus dem vorgelegten Bericht fordern Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, wie auch OECD-Generalsekretär Angel Gurria, dass die Gesundheitssysteme der EU-Mitgliedsländer (1.) effektiver, (2.) einfacher zugänglich und (3.) belastbarer werden. So seien 16 % der Erwachsenen aktuell fettleibig (2000 noch 11 %) und ein Fünftel von ihnen raucht nach wie vor. „Viele Menschenleben könnten gerettet werden, indem einerseits mehr Ressourcen in Strategien zur Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention investiert würden“, so die beiden Politiker.

Weiters müssten 27 % der Patienten eine Notaufnahme aufsuchen, , weil nicht genügend Einrichtungen zur medizinischen Grundversorgung da sind. Zudem würden aber durchschnittlich 15 % der Gesundheitsausgaben von den Patienten direkt bezahlt, wobei für arme Menschen in Europa sich im Vergleich zu ihren wohlhabenderen Mitbürgern das Risiko, aus finanziellen Gründen nur schwer angemessene medizinische Versorgung zu erhalten verzehnfache. In der gesamten EU stieg der Anteil der über 65-Jährigen von unter 10 % (1960) auf fast 20 % (2015) und dürfte bis 2060 auf knapp 30 % anwachsen.

Informationszyklus zum Gesundheitszustand in der EU

Nicht allein deshalb seien E-Health-Angebote nötig, kürzere Spitalsaufenthalte sowie ein bedachterer Einsatz von Medikamenten. Mit dem Informationszyklus zum Bericht „Gesundheitszustand in der EU“ sollen die Mitgliedstaaten dabei unterstützt werden, ihre Kenntnisse zu verbessern und stärker faktenbasierte politische Entscheidungen zu treffen.