Lesen und leben

Kann man durch das „buchstäbliche Lesen“ Dinge verstehen und dann im Leben umsetzen ? Darum geht’s heute in diesen News. Könnte man also 100 kluge Bücher mit Rezepten, Anleitungen, selbst mathematischen Formeln lesen, dadurch klüger werden und schließlich diese Rezepte dann im Alltag anwenden ? Kann man so begreifen lernen ?

Zwei geniale Mathematiker, Misha Gromov und Sir Roger Penrose, sind sich da uneinig. Während Gromov sagt, dass Mathematik alles beschreiben kann, was der Mensch begreifen kann, sagt Penrose, dass dem nicht so ist. (Quelle: https://www.ihes.fr/~gromov/wp-content/uploads/2018/08/Learning-understanding-two-chapters-aug24-2018.pdf)

Das Atom des Verstehens und Lernens aus Schrift, aus Formeln, aus Internet-Artikeln, aus klugen Foren, aus Studien, aus der Weltformel … ist noch nicht geklärt.

Und wir Normalbürger sind zugegebenermaßen auch weit davon entfernt, beurteilen zu können, ob nun Gromov Recht hat oder eher Penrose. Doch was machen wir seit dem Buchdruck ?

Wir glauben, dass man Wissen „konservieren“ kann. Wir meinen, dass uns als Zivilisation das Niedergeschriebene voranbringt.

Am Ende gibt es zwischen den 2 „mathematischen“ Polen nur insofern eine Einigung, als es für einen Mathematiker nur 2 Dinge gibt, nämlich

  • die Mathematik, die entweder alles beschreiben kann oder eben nicht.
  • das Experiment.

Und der Rest ist (nur) Beschäftigungstherapie oder Sisyphusarbeit, wenn man so will. Überlassen wir die Mathematik lieber den Profis. Vielleicht können die sich irgendwann einigen. Halten wir uns stattdessen lieber an den 2. Vorschlag: das Experiment.

Heißt für Frohmediziner die MESSUNG.

Bedeutet das Erfahren an sich selbst. Ist der jeweilige Jetzt-Zustand. Keine Simulation ! Dazu vielleicht 2 Beispiele:

  • Liest man einen Artikel über den Corona-Virus, bedeutet das gar nichts. Ist man hingegen in China und redet mit den Menschen von Angesicht zu Angesicht, redet mit dem Pflegepersonal vor Ort, dann … ist das doch gleich etwas Anderes.
  • Liest man einen Artikel über das Verhalten von Eisbären, bedeutet das gar nichts. Ist man jedoch im einst „ewigen“ Eis unterwegs und lebt forschend sozusagen mit Eisbären zusammen, dann ist das noch einmal etwas Anderes.

Dann und nur dann, wird man als Mensch verstehen lernen, verstehen können und schließlich

WISSEN.

Heißt für Akademiker, Schreibtischtäter und erst recht alle Stubenhocker:

LAUFEN SIE ! Wenigstens das …

Auch bei Nahrungsmittelunverträglichkeit

Halloween gilt als Festtag in meiner Familie. Allein die Vorbereitungen auf dem Fußweg zur Haustür (Lichter, Schreckfiguren …). Und dann die Körbe und Schalen mit den Überraschungen für leuchtende Kinderaugen.

Denn, genau darum geht es: Halloween als großartige Möglichkeit, mal nicht nur den eigenen Kindern etwas zu schenken, sondern auch fremden Kindern – erlaubt und akzeptiert. Mein Töchterlein berichtet mir, dass mitunter über 40 Kindergruppen bei ihr klingeln würden und sie schon Schwierigkeiten mit dem Nachschub bekam.

Zum großen Glück verschenken wir grundsätzlich nichts Essbares, also Süßigkeiten usw., denn da könnte uns dann das Gleiche passieren wie auf einer Zeichnung festgehalten. Da sagen Kinder Sätze wie:

  • Haben Sie auch glutenfrei Süßigkeiten ?
  • Ich habe Laktose-Intoleranz !
  • Für mich bitte nur Veganes !
  • Ich vertrage keine Nüsse !
  • Alles Bitte ohne Gelatine !
  • Ist das auch bio ?

Sollte man jetzt schmunzeln oder zumindest lächeln ? Kommt mir nur leider vor wie meine tägliche Praxis. Jeder, buchstäblich jeder, lebt mit einem oder mehreren von diesen lustig gemeinten Sätzen:

Nennt man Nahrungsmittelunverträglichkeit.

Das gab’s noch vor 20 Jahren so nicht. War damals selten. Das weiß ich ganz genau. Und heute macht man damit Halloween-Scherze. Gekonnte, noch dazu. Doch diese sehr lästigen und immer häufigeren Unverträglichkeiten sind NICHT vom Himmel gefallen. Die hat auch nicht der Föhn gebracht oder irgendein Unwetter, sondern die werden ausgelöst durch die Nahrung.

Ihre Lebensmittel !

Wodurch denn sonst ? Sagt uns schon die Logik. Und jetzt denken wir mal weiter. Was hat sich denn in der Ernährung so derartig verändert ? Na, es wurde

die Natur durch Chemie ersetzt.

Konservierungsstoffe sind da nur ein Beispiel. Die sollen ausdrücklich Leben (Mikroben) abtöten. Alles was eingeschweißt ist, vakuumverpackt … Jahre lang halten soll. Und was glauben Sie, machen die dann mit der Darmschleimhaut ? Zuerst kommt’s zu „physiological changes“ und dann – irgendwann – zur „late toxicity“. Der Vergiftung, dem Zusammenbruch.

Davon dürfte es einige Zehntausend solcher Stoffe geben. Denen kann man auch schwer entkommen. Entkommen beginnt bei „Bio“ … reicht aber natürlich nicht. Doch da hätte ich noch einen zusätzlichen, 2. Vorschlag:

Bringen Sie Ihr Abwehrsystem, Ihr Immunsystem in Hochform !

Heißt übersetzt: Machen Sie so viel wie möglich richtig. Und das beginnt bei optimalen Blutwerten ! Denn auch beim Schutz vor Nahrungsmittelunverträglichkeit gilt:

BLUTANALYSE ist die BASIS.

Nur 5 % Serotonin

… gelangen ins Gehirn. Die übrigen 95 % verbleiben im Darm. Haben Sie das gewusst ? Also fast das gesamte Glückshormon des Menschen wirkt im Darm !

Serotonin entsteht aus Tryptophan, der seltensten essentiellen Aminosäure. Ist Ihnen zu Recht schon im Schlaf geläufig, denn aus Tryptophan wird schlussendlich auch Melatonin, das Schlafhormon. Etwas außerordentlich Segensreiches, wenn man damit umgehen kann.

Die Querverbindung Darm/Gehirn wurde von Frau Prof. Candace Pert entdeckt und beschrieben. Die leider schon 2013 verstorbene Amerikanerin war laut New York Times eine der wichtigsten Befürworterinnen der Alternativmedizin. In ihrem bekanntesten Buch „Die Moleküle der Gefühle“ gelangte Pert zu der Überzeugung, dass alle Krankheiten auch eine eindeutige psychosomatische Komponente haben.

In den enterochromaffinen Zellen (EC-Zellen) des Darmes findet sich also 95 % des menschlichen Tryptophans. Wird dann umgewandelt in Serotonin. Das wiederum

  • reguliert die Peristaltik
  • reguliert die Nahrungsaufnahme (Resorption)
  • lindert den Schmerz bei Darmkrämpfen
  • stimuliert das Immunsystem des Darmes
  • reguliert die Reflexe von Magen und Darm.

Serotonin beruhigt also. Nicht nur unser Gehirn, ist bekannt, sondern auch den Darm. Frage: Haben Sie schon mal dran gedacht, bei Bauchschmerzen Tryptophan zu schlucken ?

Und die Vorteile gehen noch weiter:

  • Tryptophan reguliert über Serotonin die Regeneration der Darmschleimhaut.

Das ist besonders wichtig bei einer tatsächlich beklagenswerten Nahrungsmittelunverträglichkeit. Die man sich angegessen hat durch Gifte wie etwa Konservierungsstoffe. Soll aber kein Vorwurf sein. Hab ich auch getan. Dagegen hilft laut Schulmedizin das Weglassen (Oh, einmal nicht bekämpfen !), laut Frohmedizin der Neuaufbau der Darmschleimhaut. Geht wie gesagt durch Tryptophan.

  • Tryptophan stimuliert bestimmte Laktobazillen. Die wiederum reduzieren die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut.

Dürfte manchen von Ihnen als Leaky-Gut-Syndrom bekannt sein. Wird als Ursache des Reizdarm-Syndroms angenommen.

  • Und schließlich aktiviert Tryptophan Interleukin 10, das wichtigste anti-entzündlich wirkende Interleukin (auf dem Weg über Kynurenin).

Das Alles könnte man auch in Form einer Geschichte erzählen:

Länger andauernde Entzündungen, länger andauernder Stress (ist praktisch das Gleiche), senken im Körper den Tryptophan-Spiegel. Damit geht der Darmschleimhaut eine schützende, regenerierende und auch Schmerzen lindernde Substanz verloren. Das heißt:

Entzündungen und Stress gefährden den Darm. Kennwort: Reizdarm.

Stress verschlechtert zudem das Immunsystem, verstärkt Immunkrankheiten und lässt Pilze wie Candida wachsen.

Was lernen wir aus diesen News ? Haben Sie Darmbeschwerden, dann versuchen Sie es doch bitte einmal mit Tryptophan !

Quelle: OM & Ernährung 2019 / SH 12, S. 13

PS: „Heißhunger auf Süßes“ heißt in meiner Sprache Tryptophanmangel. Oder etwas gröber gesagt: Eiweißmangel. … Haben Sie schon einmal Eiweiß-Muffins probiert ? (News 29.11.2007)

Feinschmeckerküche

Was soll man essen? Das ist immer wieder eine gute Frage. Wer kann oder soll das beantworten? Na z.B. die Molekular- und Evolutionsbiologin Dr. Sabine Paul. Die hat in ihrem Buch PALÄOPOWER einmal aufgeschrieben, was der Mensch seit Urzeiten gegessen hat. Woran sich seine Gene angepasst haben und was diese Gene auch heute noch von uns erwarten.

Seit Urzeiten heißt: Vor der Erfindung der Supermärkte, vor dem Einfärben und Konservieren, vor dem Einschweißen in Plastikfolie …

Dabei ist die daraus folgende Liste bunt wie vielfältig. Gefällt mir außerordentlich gut! Weil sie auch den Horizont erweitert. Und weil – selbstverständlich – ein wesentlicher Teil das Fleisch ist. Das wird seit immerhin 2,5 Mio. Jahren vom Menschen als Nahrungsquelle genutzt. Fleisch besteht bekanntlich aus Eiweiß und Fett. Genau daraus auch zu 90 % das menschliche Gehirn.

Es ist ein Irrtum, zu glauben, dass unser Gehirn aus Soja besteht.

Aber zurück zu der spannend farbigen Aufzählung von Frau Dr. Paul: Gegessen wurde bzw. richtiges Essen wäre:

Früchte: z.B. Beeren, Wildapfel, Dattel, Kirsche, Traube
Blätter, Stängel, Blüten (als Gemüse, Salat oder Kräutertee): z.B. Lattich (Vorform des Gartensalats), Lauch, Löwenzahn, Sauerampfer, Wildkohl
Nüsse: z.B. Haselnuss
Samen: z.B. Lein, Senf, Erbsen, Kichererbse
Kräuter
Wurzeln und Speicherknollen: z.B. Rettich, Radieschen, Schwarzwurzeln, Wiesen-Knöterich („Eskimo-Potato“)
Gräser: z.B. Hirse, Reis;
Fleisch: z.B. Pferd, Rind, Mammut, Hase, Gans, Ente, Schildkröte, Krokodil (Muskelfleisch, Innereinen, Mark, Gehirn)
Fisch: z.B. Lachs, Wels, Saibling, Forelle
Weichtiere: z.B. Weinbergschnecken
Meeresfrüchte: z.B. Austern, Venusmuscheln
Vogeleier (nur im Frühjahr): z.B. vom Auerhuhn
Süßmittel: Honig
Getränke: vor allem Wasser sowie „Kräuter- oder Früchtetees“, Beerenwein, selten Honigwein (Met)

Bitte beachten Sie, dass Reis unter dem Punkt „Gräser“ geführt wird und Erbsen unter Samen.

Und wie viel von allen diesen zum Teil lustigen Nahrungsmitteln wie Auerhuhn-Eier oder Weinbergschnecken (roh?) wurde gegessen? Das sagen uns heute noch unter uns lebende Naturvölker, die als Jäger und Sammler noch immer so essen wie afrikanische Jäger vor 150.000 Jahren. Das Ganze übersichtlich in einer Tabelle:

                                                        Kohlenhydrate             Protein                   Fett

Altsteinzeit                                      ca. 33 %                    ca. 33 %              ca. 33 %
Deutschland (2008)                       46 %                           14 %                     36 %
Empfehlung (der DGE)               55-60 %                   10-15 %                 30 %

WICHTIG: Kohlenhydrate damals waren natürliche, vitaminreiche Produkte wie Wurzeln. Kohlenhydrate heute … nun ja, Sie kennen sich aus. Frau Dr. Paul beendet dieses Kapitel dann so einfühlsam mit folgenden goldenen Worten:

In der Summe entspricht die Speisekarte unserer Vorfahren also einem ausgewogenem Gourmet-Menü: Anders als landläufig angenommen, bestand diese nicht aus Insekten und Moos, sondern aus einer abwechslungsreichen, hochwertigen Feinschmeckerküche.

Hätten Sie das gedacht ?