Generika: Hohe Geldstrafen der EU wegen verzögerter Einführung

Die EU-Kommission hat gegen die beiden Pharmakonzerne Teva und Cephalon Geldstrafen in der Höhe von 60,6 Mio. € verhängt. Die Firmen hatten die Markteinführung eines preisgünstigeren Generikums des Cephalon-Arzneimittels gegen Schlafstörungen, Modafinil, nach Ablauf der Hauptpatente um sogar mehrere Jahre verzögert ! Laut Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager dadurch nicht nur gegen das EU-Kartellrecht verstoßen, sondern auch ein „erheblicher Schaden“ für die  Gesundheitssysteme in der EU verursacht.

Infografik: EU Kommission

Modafinil ist ein Arzneimittel zur Behandlung exzessiver Tagesschläfrigkeit, die insbesondere im Rahmen einer Narkolepsie auftritt. Es wurde unter dem Markennahmen „Provigil“ gehandelt und war das meistverkaufte Produkt von Cephalon. Jahrelang sorgte Provigil für über 40 % des weltweiten Umsatzes von Cephalon. 2005 waren jedoch die Hauptpatente für das Arzneimittel in Europa ausgelaufen. Die EU-Kommission stellte bei ihrer Untersuchung fest, dass Teva durch diese Pay-for-Delay-Vereinbarung mehrere Jahre lang als Wettbewerber ausgeschaltet wurde und Cephalon deshalb höhere Preise berechnen konnte, obwohl das Hauptpatent für Modafinil seit Langem abgelaufen war.

Generika in der Schweiz um 42 % teurer als in der EU

Patentgeschützte Medikamente kosten in der Schweiz um 4,5 % mehr als in der EU, patentabgelaufene Medikamente um 10 % und Generika sogar um 42 %. Das ergab der mittlerweile 11. alljährliche Preisvergleich  von Santesuisse und Interpharma, der die Fabrikabgabepreise von Medikamenten mit jenen des europäischen Auslands vergleicht. „Die Pharmaindustrie ist der einzige Akteur im Gesundheitssystem, der mit institutionalisierten Überprüfungen der Medikamentenpreise regelmäßig zur Kostendämpfung beiträgt. Im Hinblick darauf, dass Medikamente nur rund 12 % der gesamten Gesundheitskosten ausmachen, sind auch die übrigen Akteure im Gesundheitswesen gefragt, ihren Beitrag zu leisten“, sagte Rene Buholzer, Geschäftsführer von Interpharma.

Forderung nach Referenzpreissystem

Weil gemäß OECD Daten der Generika-Anteil in der Schweiz mit 27 % im Vergleich zu Deutschland mit 83 % sehr tief ist und die Preise im Vergleich zum Ausland fast doppelt so hoch seien, ließen sich laut Vera Nold von Santesuisse sogar „mehrere hundert Millionen Schweizer Franken einsparen“. Santesuisse möchte daher unbedingt ein Referenzpreissystem einführen !

 

Herstellung von Penicillin in Tirol für ganz Europa gesichert

Mit Unterstützung der österreichischen Bundesregierung wollen die Pharmafirmen Novartis und Sandoz in Tirol „die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Produktion von Schlüssel-Antibiotika in Europa“ absichern. Dazu werden am Standort Kundl 150 Mio. € investiert. Novartis möchte darüber hinaus auch neue Therapieplattformen entwickeln.

Antibiotika Rückgrat moderner Medizin

Sandoz ist die Generika-Division der Novartis Pharma GmbH. „Antibiotika sind das Rückgrat der modernen Medizin und das Werk in Kundl die letzte verbliebene vollintegrierte Antibiotikaproduktion in der westlichen Welt, in der sowohl die Wirkstoffe als auch Fertigformen hergestellt werden“, vermeldete Sandoz. Aus Österreichs Ärztekammer heißt es dazu: „Dass die Penicillin-Produktion für Europa in Tirol verbleibt und nicht nach Asien abwandert, muss Vorbildwirkung haben. Gerade bei der Herstellung von Antibiotika ist die Stärkung des Standortes Europa von größter Bedeutung.“

Gleichfalls „mit Freude“ vernahm man beim Pharmig den Schulterschluss von Politik und Industrie. Österreichs Verbund der Pharmaindustrie gibt allerdings zu bedenken, dass die Alpenrepublik bei Medikamenten als Billigpreisland gilt. Zudem  seien die Forderung nach einer Wirkstoffverschreibung oder gar einer Aufweichung des Patentschutzes  kontraproduktiv und würden jegliche Strategie konterkarieren, Europa im Pharmabereich unabhängiger zu machen.