10 bis 100 Kilometer

„Laufen !“ ist der Titel des (in Eigendefinition) „fundiertesten deutschsprachigen Laufbuches“. Der Untertitel: „Vom Einsteiger bis zum Ultra-Läufer“. Und als Button vorne darauf: „Inkl. Trainingspläne von 10 bis 100 km.“ 100 km … da kann ich nicht widerstehen. Hab’s aufgeschlagen … Eine unglaubliche Erfahrung !

Ist ein sozusagen komplettes Buch. Im Sinne von 100 %. Darin findet man wirklich alles zum Thema Laufen. Jede nur denkbare Frage wird beantwortet: Vom effektiven Laufstil über den respiratorischen Quotienten, Einlegesohlen, einem Hund begegnen, wie man Trainingspläne erstellt, was man bei Reizmagen tut, bei Seitenstechen bis hin zur Verpflegung bei 100 km-Läufen … Das alles findet man außerordentlich kompetent beantwortet.

Kompetent weshalb ? Dr. Dr. Lutz Aderhold, der Verfasser, ist einer der besten deutschen 100 km-Läufer. Weltmeister in der 100 km-Mannschaftswertung. Hat er neben einer übervollen Zahnarztpraxis geschafft. Hat authentisch so ziemlich alles zum Thema Laufen erlebt !

Laut Dr. Dr. Aderhold durchlaufen mittlerweile viele Menschen im Laufe ihres Lebens den schleichenden Prozess zum metabolischen Syndrom („Wohlstandssyndrom“). Doch:

Nur mit ausreichend Bewegung, guter Ernährung und den richtigen Gedanken haben Sie Zugang zu mehr Gesundheit.

Dazu der Merksatz: Laufen kann auch als Mittel zur Problemlösung und Ideensammlung dienen !

Ein Hochgenuss sind weitere Zitate (aus „Laufen !“):

Laufen ist eine grundlegende physiologische Handlung menschlichen Seins. Dazu benötigen wir keine Anleitung, keinen Kurs und keine besondere Life-Style-Ausrüstung. Laufen ist überall und jederzeit in jedem Lebensalter möglich. Außerdem ist Laufen eine umweltverträgliche Sportart.

Im regenerativen Dauerlaufbereich bildet jetzt der Körper Serotonin, das macht den Kopf frei und sorgt für gute Laune. Beim extensiven Dauerlauf kommt der Gedankenfluss dank ACTH so richtig in Gang. Laufen Sie dann noch schneller, sind vielleicht die Endorphine im Spiel. Körperliche Aktivität stimuliert die Bildung und Verschaltung von Nervenzellen.

Oder auch:

Die Schulung der Achtsamkeit führt zu einer neuen Sichtweise, weil sie dem Meditierenden die Kraft und Bedeutung des gegenwärtigen Augenblicks erschließt. Der gegenwärtige Augenblick ist die Zeit, in der wir leben. Vergangenes ist vorbei, Zukünftiges noch nicht geschehen. Die Bereitschaft, im Augenblick zu leben, fördert ganz allgemein unsere Gesundheit.

Und letztlich, fast unglaublich, die Aufzählung aller 47 essentiellen Nährstoffe:

Dabei handelt es sich um 13 Vitamine (Vit. A, B1, B2, B3, B5, B6, B9, B12, C, D, E, H und K), 6 Mineralstoffe (Ca, Fe, K, Mg, Na, und Cu), 14 Spurenelemente (Cr, J, Mn, Mo, Se, Zn, Ni, Li, Co, F, Si, Rw, V, P), 2 Fettsäuren (Omega-3, Omega-6), sowie 12 Aminosäuren (Arginin, Isoleucin, Leusin, Valin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin, Tryptophan, Histidin, Cystein und Prolin).

„Laufen !“ (Neuauflage 2018) von Dr. Dr. Lutz Aderhold ist ein aufregendes Buch. Für mich jedenfalls … Für Sie hoffentlich ein Wegweiser !

Als „PS“ vielleicht noch ein Zitat aus der Einleitung: Die Entwicklung unserer Wohlstandsgesellschaft hat dazu geführt, dass sich die Deutschen Anfang des letzten Jahrhunderts täglich 20 km zu Fuß fortbewegten, 1950 immerhin noch 10 km und heute nur mehr knapp 700 m. Das hat zu erheblichen Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft geführt.

Im Alter schneller laufen

Geht das überhaupt? Wer älter wird, läuft langsamer. Unausweichlich. Beweisen doch sämtliche Marathon-Bestzeiten, statistisch aufgetragen …. Unzweifelhaft kann sich auch ein 70-Jähriger anstrengen bis zur möglichen Grenze – wird aber ziemlich sicher langsamer sein. Soweit stimmt das. Nur: Wie so immer bei Statistiken bleibt die Frage: Gilt das auch für Sie als Einzelperson ? Antwort: Nein, gilt nicht.

Sie können im Alter sehr wohl schneller laufen …

Die einfache Erklärung: Als Hobbyläufer haben Sie in der Jugend (bis 40 Jahre) gar nicht Ihr Optimum erreicht. Wollten es vielleicht auch gar nicht. Wenn man das nun mit 60 oder 70 Jahren nachholen will, dann kann man sehr wohl schneller sein als in den jungen Jahren.

Wie macht man das?

Ein Problem ist, dass sich im Alter die schnellen Muskelfasern immer mehr zu langsam kontrahierenden Muskelfasern umwandeln. Auch nimmt die Muskelmasse ab, so dass es tatsächlich schwieriger ist, sich die Schnelligkeit zu bewahren.

Hinzu kommt, dass Schnelligkeitstraining sehr intensiv und kräftezehrend ist. Danach braucht man eine längere Erholung. Und auch Erholungsprozesse laufen im alternden Körper langsamer ab. Unbestreitbar. Das Dilemma:

Längere Pausen = weniger Training.

Doch gibt es den Ausweg! Bekanntlich ist sich die Forschung einig, dass Kraft beim alten Menschen genauso trainierbar ist wie beim jungen Menschen (News vom 26.11.2017). Und glücklicherweise hängen Kraft und Schnelligkeit sehr eng zusammen …

Das sieht man auch sofort, wenn man einmal die muskelbepackten 100-Meter-Läufer und sogar Läuferinnen bestaunt. Und im Vergleich dazu die sehnig-hageren Marathonsieger.

Kraft also ist der Ausweg. Modern gesagt: Fitnessstudio !

Ginge selbstverständlich auch zu Hause, wenn man die nötige Selbstdisziplin dazu aufbringen kann. Im Fitnessstudio hingegen gibt’s kein Wenn und Aber, da schauen doch alle …. Man trainiert also, wenn Sie älter werden und zugleich schneller sein wollen:

  • Kraft
  • Sprünge beim Lauftraining
  • statt schneller und belastender Laufeinheiten eher mehr Kraft- und Sprungtraining
  • dazu lockere Dauerläufe.

Die Hauptsache aber ist und bleibt der gesunde Körper. Damit meine ich den mit allen essentiellen Substanzen (NEM) versorgte Körper. Und wenn man das Ganze wirklich ernst nimmt, kommt man auch um die Blutanalyse nicht herum !

QUELLE: Wesentliche Gedanken von Viktor Röthlin (Marathon-Europameister 2010) in FIT for LIFE 6/18, S. 34