Ketone zum Schlucken

Erreicht mich heute eine E-Mail, die mein Verständnis von Medizin im Sinne von HILFE wieder ein bisschen erweitert. Betrifft Ketonkörper:

Propionat und Butyrat

Das sind Ketone, die man schlucken kann. Die der Körper nicht erst durch ketogene Ernährung – ist für viele mühsam – erzeugen muss ! Und da schreibt der Leser folgendes:

Zu Ihrer Begeisterung über Propionat und Butyrat (News 03.10.2020) möchte ich noch etwas hinzufügen. Die können noch mehr !

Dazu die Erklärung:

Ich hatte eine lange Odyssee durch die Schulmedizin, am Ende schwerste Depressionen und Ängste, MCAS … usw.. Für die Schulmedizin alles rein psychisch, aber ich wusste, dass da etwas Anderes nicht stimmt. … Ich gab aber trotzdem nicht auf und fing klein an, Dinge nach und nach hinzuzunehmen. Hatte auch Rückschläge, jedoch ein Jahr später gibt es ein Unterschied wie Tag und Nacht. Und das ohne Medikamente !

Und nun zu Ihren News über Propionat und Butyrat. Die waren sehr wichtige Bausteine für mich. Hatte damals auch den folgenden Artikel der Uni Regensburg gefunden:

Gehen Depressionen durch den Magen ?

Kurz gesagt: Das Antibiotikum Minozyklin verändert das Mikrobiom scheinbar dahingehend, dass mehr Butyrate produziert werden. Das wiederum vermindert die Aktivität der Mikroglia und der entzündlichen Prozesse im Gehirn. Somit lassen sich Depressionen verbessern. Super ! Nur warum nimmt man nicht Butyrate direkt ein, warum ein Antibiotikum ?

Ich dachte mir: „Ok, Histamin hat dir dein Gehirn gegrillt, jetzt musst du halt die Neuroinflammation in den Griff kriegen.“ Also habe ich Butyrate eindosiert und auch perfekt vertragen. Das war wie plötzlich in den Himmel gucken. Angstreduktion funktioniert. Später habe ich noch Propionat hinzugenommen, was auch ein schöner Effekt fürs Nervensystem war. Bei PubMed gibt es auch ein paar Studien, die diese Effekte bestätigen.

Butyrate zum Propionat dazu, ist eine tolle Kombination !

Wichtig: Ketonkörper (Stichwort Neuroprotektion) schützen also die Nervenzellen auch und besonders im Gehirn. Und weil wir wissen (Stichwort: „Schwelbrand im Gehirn“), dass

hinter Depression, Angst, Traurigkeit usw. ein Entzündungsprozess steckt,

der aber durch ein starkes Immunsystem (Aminogramm !!) beeinflusst werden kann, lernen wir hier noch dazu, dass Ketonkörper wie Propionat direkt helfen können.

Ist das nicht großartig ? Man hat noch dazu die Auswahl:

  • Propionat gegen Ängste
  • Propionat für mehr Ausdauer

Propionat steigert die Leistung

Die Tour de France der Radprofis ist mit fast 3.500 km Länge der wohl härteste Ausdauerwettbewerb der Welt. Rollt ganze 3 Wochen lang durch mehrere Länder. Entscheidend dabei ist die 3. Woche. Selbst ein hochtrainierter Amateurradler wäre in dieser 3. Woche längst am Ende. Normalerweise sogar krank. Bewiesen …

Auf Lanzarote habe ich einmal versucht, die TdF nachzufahren. War jeden Tag 6 Stunden mit Volldampf auf dem Rad. Dazu nur Vulkanberge und ständiger Wind. Prompt wurde ich nach 2 Wochen schwer krank. Lungenentzündung. Krankenhaus usw. Es geht also um die ominöse 3. Woche: Wenn die Kräfte versagen, wenn man erschöpft ist. Wenn die Stresshormone (messbar) hoch sind.

Und da scheint es jetzt Hilfe zu geben. Ein bisschen jedenfalls, wie ich gleich anmerken möchte. Diese neuartige Technik wird seit 2019 auch von mindestens 2 Rennställen bei der „Tour“ genutzt. Dabei dreht es sich um

  • Ketonkörper (als Kapsel)
  • Propionat (kurzkettige Fettsäuren).

Die Idee dahinter ist ganz einfach: Man weiß, dass KETOSE

  1. die Fettverbrennung stimuliert (zur Gewichtsregulierung !)
  2. die Ausdauerleistung verbessert
  3. oxidativen Stress reduziert (weniger freie Radikale)
  4. Entzündungen hemmt (Auslöser aller Zivilisationskrankheiten !).

Nur haben Ausdauersportler wie die Radprofis ein Problem: Zwar hätten die gerne die Vorteile der Ketonkörper, nicht aber die Nachteile. Bei ketogener Diät wird ausschließlich Fett verbrannt und dazu braucht man etwa 10 % mehr Sauerstoff als bei der Verbrennung von Kohlenhydraten. Und diese 10 % mehr Luft, haben die Sportler nicht immer ….

Also kam man auf die Idee, Ketonkörper von außen zuzuführen. Mein Einwand war da immer, dass die zugeführte Menge wohl viel zu gering sein würde. Bei ketogener Diät nämlich dürfte der Körper wohl sehr viel mehr Ketonkörper produzieren. Doch da scheine ich mich getäuscht zu haben, wie nun in einer nagelneuen Studie im „The Journal of Physiology“ 2019, June; 597 (12): 3009 erstmals gezeigt wird:

Dort heißt es, dass

  • Ausdauersportler mit Ketonen (als Kapsel) in der 3. Woche harten Trainings 15 % mehr Kraft entwickelten und 15 % mehr Leistung brachten (ca. 215 Watt statt 185).
  • deren Stresshormone (Adrenalin und Noradrenalin) während der gesamten 3 Wochen nicht anstiegen, sich also nicht verdoppelten wie bei der Kontrollgruppe. Ketone wie Propionat oder Butyrat verhinderten also Übertraining !

Eine ziemlich sensationelle Entdeckung ! Hätte ich von so einer Kapsel nicht erwartet.

FAZIT: Für mich bleibt das Ausprobieren. Selbstverständlich ! Zusätzlich zu meiner täglichen Ketose (u.a. Intervallfasten) wird jetzt auch Propionat geschluckt. Und selbstverständlich in sehr viel höherer Dosis als man es normal einnehmen würde. Echte Ausdauersportler haben nämlich ein sehr gutes Körpergefühl. Die wissen, was sie sich und dem Körper zumuten können !

PS I: Ab einem gewissen Alter, so etwa mit 80 Jahren, wird das TÄGLICHE TRAINING immer schwieriger. Der Körper ermüdet etwas früher. Ist Propionat das Wundermittel dagegen ?

PS II: Heute beginnt übrigens der 103. Giro d’Italia der Radprofis. Rollt auch über 3 Wochen und ist sogar um 13 km länger als die TdF.

Zum Nachlesen:  Propionat (News 06.01.2018)

AMPK

Ein bisschen von seiner Jugend zurück zu bekommen, das geht ganz einfach. (News 21.07.2011) Z.B. hält Anstrengung jung. Wissenschaftlich erwiesen. Stichwort: Wachstumshormon (HGH). Aber auch Ausdauertraining ist eine echte Wunderwaffe gegen das Altern. (News 22.10.2012, 20.08.2012) Und natürlich gibt es auch ein Enzym der Jugend. Lautet abgekürzt

AMPK.

Im vollen Wortlaut: AMP-aktivierte Proteinkinase. Vor allem in Bayern auch als „youth enzyme“ bekannt. Ein Trick der Evolution, uns Menschen Energie zu schenken. Viel mehr Energie !

Wieder einmal 4 Buchstaben. Erinnern Sie sich an NADH? Jetzt also AMPK. Erst seit wenigen Jahren im Blickpunkt. AMPK aktiviert Ihr Körper dann, wenn AMP ansteigt und ATP abfällt. Das verstehen Sie: ATP ist Ihre Energie. Die Lebensenergie. Ein Triphosphat. Also dreifaches Phosphat. Das gibt die Energie an den Körper ab und wird dabei zu Monophosphat. Also einfaches Phosphat. Und wann immer das passiert, steigt AMPK.

Wozu ?

Um den Vorgang umzukehren. Um den Körper wieder aufzuladen. Um aus „Mono“ das energiereiche „Tri“ zu kreieren. Das tut es ganz einfach durch Anregung der Zucker-/Fettverbrennung.

AMPK nimmt, so lese ich, im Laufe des Lebens leider ab. Solche Sätze glaube ich nicht. Die sind zwar richtig, aber an „falschen“ Menschen gemessen. Wie dem auch sei:

Mehr AMPK bedeutet rascher und mehr ATP – damit Lebensenergie.

Genau darauf läuft es hinaus. Genau darauf wollen wir hinaus. Nicht nur ich, sondern auch Sie. Jeden Tag am Schreibtisch. Jeden Tag beim Sport. Sie alle kennen auch solche Typen, die den ganzen Tag vor Energie nur so strotzen. Beneidenswert. Hier lernen wir ein Geheimnis: Wie vermehrt man sein AMPK ?

Geht denkbar einfach. Und zwar auf 4 Wegen:

  • Durch Sport: Jeder hat vielleicht schon erlebt, dass intensiver Sport erst zu Müdigkeit und Erschöpfung führt, aber an den folgenden Tagen fühlt man sich energiegeladen und fitter. Das passiert dank AMPK.
  • Durch Fasten: Jeder von Ihnen weiß, dass man durch Fasten, nach Überwindung des ersten Hungers, nach Umstellung des Stoffwechsels sich nach wenigen Tagen unglaublich fit und energiegeladen fühlt. Dank AMPK !
  • Durch Ballaststoffe: Die im Darm – wie wir gelernt haben – in kurzkettige Fettsäuren wie z.B. Butyrat (News 20.08.2018) umgewandelt werden. Das ist der Grund, warum Menschen, die reichlich (fermentierbare) Ballaststoffe zu sich nehmen, sich leichter und energiegeladener fühlen, obwohl sie weniger Kalorien zu sich nehmen. Sehr verführerisch sind z.B. die ersten Wochen nach der Umstellung auf vegan … ein Traum !
  • Durch Katechine aus Grünem Tee sowie Curcominoide (siehe News 07.03.2019). Beide aktivieren das Enzym AMPK, schenken damit schneller und mehr ATP. Pure Lebensenergie !

Energiemangel ist Ihre häufigste Klage in meiner Praxis. Und ich verstehe Sie sehr gut: Abends, nach 12 Stunden malochen, sich noch aufzuraffen … Unmöglich ? Darum sind solche Tricks wie der mit AMPK für uns, für den Erhalt der Jugend so entscheidend.

QUELLE: Dr. Stefan Siebrecht, Vitalstoffe 1/2019 (S. 33)