EU kauft 500.000 „Behandlungseinheiten“ Remdesivir

Die EU-Kommission hat bei dem Pharmakonzern Gilead Sciences bis zu 500.000 sog. Behandlungseinheiten des Medikaments „Veklury“ bestellt. Unter diesem Markennamen wird der Wirkstoff Remdesivir als Arzneimittel gegen Covid-19 vertrieben. Der Vertrag bietet auch die Möglichkeit einer noch größeren Abnahmemenge. An der Vereinbarung im Rahmen des gemeinsamen Beschaffungsverfahrens waren insgesamt 36 Staaten beteiligt.

Veklury einziges Medikament

Veklury ist derzeit das einzige Medikament mit einer EU-Zulassung für die Behandlung von Covid-19-Patienten. „Die EU-Kommission unternimmt alles, damit sichere und wirksame Therapien gegen Covid-19 zur Verfügung stehen. Durch die gemeinsamen Beschaffungen auf EU-Ebene können die Mitgliedsländer ihre Kräfte bündeln und weiteren Zugang zu lebenswichtigen Schutzausrüstungen und Arzneimitteln erhalten.“ Bei dem jüngsten Abkommen mit Gilead handele es sich um das bereits 6. gemeinsame Beschaffungsverfahren innerhalb der EU.

Neue Risikobewertung: Corona-Pandemie noch lange nicht vorbei

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hat eine aktualisierte Risikobewertung der Covid-19-Pandemie vorgenommen und eine Reihe von Leitlinien für nicht-pharmazeutische Maßnahmen (z. B. Handhygiene, Sicherheitsabstände, Reinigung und Belüftung) veröffentlicht. Die neue Risikobewertung zeigt, dass die Anzahl der gemeldeten Infektionen seit August in der gesamten EU wieder stetig gestiegen ist und dass die ergriffenen Maßnahmen keinesfalls ausgereicht haben, um Ansteckungen zu minimieren oder zu verhindern.

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Den Mitgliedstaaten wird daher empfohlen, effektivere Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören vermehrte Tests, die Rückverfolgung von Kontakten, eine bessere Überwachung der Gesundheitslage, ein besserer Zugang zu persönlichen Schutzausrüstungen und Arzneimitteln sowie die Gewährleistung ausreichender Kapazitäten im Gesundheitswesen. Laut EU-Gesundheitskommissarin Kyriakides zeigt die neue Risikobewertung ganz klar, dass die EU wachsam sein müsse. Die Tatsache, dass es in einigen EU-Ländern mehr Infektionsfälle gibt als auf dem Höhepunkt der Krise im März würde verdeutlichen, dass die Corona-Pandemie noch lange nicht vorbei ist.

CARE: Startschuss für Europas größte Initiative gegen Covid-19

In Europa erfolgte der Startschuss für CARE, einem Zusammenschluss von 37 Forschungseinrichtungen und Pharmafirmen zur „Beschleunigung der Erforschung und Entwicklung dringend benötigter Medikamente zur Behandlung von SARS-CoV-2, dem Virus, das Covid-19 auslöst“. CARE steht für Corona Accelerated R&D in Europe und wurde mit mit insgesamt 77,7 Mio. € ausgestattet. Die Initiative ist auf 5Jahre ausgelegt und bündelt die Arbeit aus 11 Ländern, darunter auch China und die USA.

„Die Covid-19-Pandemie ist die größte globale Bedrohung für die Gesundheit der Menschheit in diesem Jahrhundert, zu deren Lösung die globale wissenschaftliche Gemeinschaft auf nie da gewesene Weise zusammenarbeiten muss“, sagte der CARE-Koordinator, Prof. Yves Levy vom französischen Institut für Gesundheit und medizinische Forschung Inserm.  Ohne einen zugelassenen Impfstoff und angesichts bisher begrenzter Therapiemöglichkeiten für Covid-19 würde jeder weitere Tag der Pandemie mehr Neuinfektionen und Todesfälle bringen.

CARE zielt darauf ab, wirksame Therapien mit einem positiven Sicherheitsprofil für die Covid-19-Pandemie zu entwickeln (Neupositionierung von Arzneimitteln) wie auch neue Arzneimittel und Antikörper. Dabei werden 3 Wege beschritten: (1) Die Neupositionierung von Arzneimitteln mit dem Ziel, Moleküle schnell in fortgeschrittene Phasen der klinischen Testung zu bringen. (2) Die Neuentwicklung kleinmolekularer Arzneimittel und (3) die Neuentwicklung virusneutralisierender Antikörper.

EU rüstet sich für künftige Covid-19-Ausbrüche

Die EU-Kommission hat Vorsorgemaßnahmen präsentiert, um für künftige COVID-19-Ausbrüche gerüstet zu sein. Denn damit die Ausbreitung des Virus eingedämmt und weitere strenge Maßnahmen wie Lockdowns vermieden werden können, müsse innerhalb der Union eine hohe Wachsamkeit und eine rasche Reaktionsfähigkeit gegeben sein. Der Schwerpunkt liege dabei natürlich auf Initiativen im Gesundheitsbereich wie etwa Tests, Kontakt-Nachverfolgung, eine wirksamere Überwachung der öffentlichen Gesundheit und einen besseren Zugang zu medizinischer Schutzausrüstung, Arzneimitteln und Medizinprodukten.

Bild: EU-Kommission

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sagte dabei: „Seit dem Höhepunkt der COVID-19-Pandemie haben wir bereits viel erreicht, aber das Virus zirkuliert immer noch. Wachsamkeit, Vorsorge und Koordinierung sind nötig, um großflächige Ausbrüche zu verhindern. Heute rufen wir zu entschlossenen und gemeinsamen Maßnahmen zum Schutz der EU-Bürger auf und werden auch die Mitgliedstaaten darin unterstützen. Gerade jetzt dürfen wir in unserer Wachsamkeit vor dem Corona-Virus nicht nachlassen.“

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