Meditation an einem guten Ort

Gehen Sie zum Meditieren an einen guten Ort. Beobachten Sie das Geschehen. Lassen Sie die Gedanken fließen – oder auch nicht. Darüber braucht man sich keine Gedanken zu machen. Das ist Meditation !

Ganz anders klingt das in „Arzt & Wirtschaft. Erfolgreiche Praxisführung für Ärztinnen und Ärzte.“, Ausgabe 03/2018, auf Seite 42. Eine Seite über Stress. Und Meditation:

Zwei Komponenten sind wichtig, wenn sie eine Entspannungsreaktion auslösen sollen. Das ist zum einen ein mentaler Fokus. Man beobachtet den eigenen Atem, wiederholt ein Wort, ein Mantra oder eine rhythmische, muskuläre Aktivität. Es geht darum, den Strom der Alltagsgedanken zu unterbrechen und den Kopf „frei“ zu bekommen“.

Das klassische Kuchenrezept im Artikel „Stress erkannt, Gefahr gebannt“, des Autors Thomas Eckardt, Diplom-Psychologe.

Wie bekommt man den „Kopf frei“ – in einem Plattenbau, in einem Hocheffizienz-Massenviehhaltungsbüro? Bei stickiger Luft, passiv aggressiven Mitarbeitern. Kaffeebluthochdruck …

Machen Sie sich von solchem Relativismus frei. Es gibt überall einen guten Ort! Vielleicht im Stiegenhaus, vorletzter Stock, wo sich selten jemand aufhält, direkt vor dem Fenster, von wo aus man einen Baum sieht. Der 3. Hinterausgang, den kaum jemand benutzt, weil er fast ein Umweg ist, aber mit Blick auf eine kleine Grünfläche. Der (bemooste) Fluchtweg aus dem Werk, neben der Schnellhungerstraße zur Konzernkantine. Ebenfalls mit Blick auf unscheinbare Bäume.

Der Vorteil von Grün ist, dass sich dort zumeist Tiere tummeln. Gerade jetzt im Frühling. Während ich das hier schreibe, kann ich 2 Elstern beobachten. Die bauen zusammen ein Nest. Eine Amsel, die sich wie ein Hund mit dem linken Bein hinterm Ohr kratzt. Ein Eichhörnchen, das die Mauer entlangrennt. Und:

Die Amsel setzt sich. Dreht sich. Kratzt sich. Pufft das Gefieder auf. Es regnet leicht. Sie dreht den Körper. Sie muss den Kopf stetig bewegen, weil sie Bewegung nicht mit den Augen ausgleichen kann: Was kommt jetzt? Jede Bewegung ist Teil zu überleben. Oder auch nicht. Das Tier plant nicht. Es überlebt. Oder auch nicht. Sprung und weg. Drei Spatzen landen in Dreiecksformation, 50 m von hier. Neuformation, etwas näher beieinander. Einer fliegt weg, die anderen 2 bleiben kurz. Folgen dann. Der Regen ist nur leicht wahrnehmbar. Ein dünner Schleier. Fast wie vertikales, künstliches Rauschen durch die Fensterscheiben, …wie ein Zittern zu erkennen. Die Blätter bewegen sich kaum. Es tropft vom Metallgestell der Einfahrt in die Tiefgarage. Schaut man auf alle Tropfen gleichzeitig, erkennt man das Muster. Die Wassertropfen spielen miteinander. Ein Konzert aus zufälligen Ereignissen. Kein Computer der Welt könnte das berechnen. Ich rieche Un-veränderung. Hüpfen in den Ästen. Überleben und Naturgesetz, tausende kleine Abzweigungen in den Ästen, Millionen Tannennadeln. Und doch nur sanftes Wackeln der Mutteräste, massives Wachstum, durch die Stämme „geboren“. Eleganter Vogelflug durch dieses Laublabyrinth.

Mein Kaffee ist kalt. Ups! Wo sind die letzten 10 Minuten hin?

Rückenschmerzen richtig verstehen

Die sind nämlich fast immer gutartig. Und gehen – fast immer – wieder weg, wenn man seine Komfort-Zone verlässt. Wenn man die Beine in die Hand nimmt und aktiv wird. Das ist die Botschaft hinter einem selten glücklichen, psychologisch außerordentlich geschickten Interview im neuen „Spiegel“ (DER SPIEGEL 6/2018, S. 96). Es äußert sich ein Physiotherapeut vom Rückenzentrum Am Michel in Hamburg.

Der nachgedacht hat. Und sehr viel davon hält, dass der Patient seinen Schmerz „verstehen“ sollte. Was in der Regel eben nicht der Fall wäre. Der Patient bekäme viel mehr ein drohmedizinisches, falsches wie schlimmes Bild von seiner Wirbelsäule und/oder von seinen Bandscheiben vermittelt. Verzweifelt dann innerlich und … steht der Heilung selbst im Weg. Das Interview ist so geschickt und klug, dass ich es hier einfach wörtlich wiedergeben möchte. Also Zitat:

SPIEGEL: Sie sagen, viele Patienten hätten eine falsche Vorstellung, warum der Rücken wehtut. Was meinen Sie damit?

Richter: Unbedachte Aussagen von Ärzten, Osteopathen, Physiotherapeuten werden als Drama und Katastrophe verstanden. Ein Beispiel: Wenn der Behandler sagt, die Lendenwirbelsäule sei nicht stabil genug, dann meint er eigentlich nur, die Muskulatur arbeite nicht harmonisch – doch der Patient hört, die Region könnte bald auseinander brechen oder sei verrutscht. Tatsächlich ist es aber eine normale Erscheinung des Alterns. Auch Begriffe wie „degeneriert“ oder „verschlissen“ werden so verstanden, dass der Rücken kaputt ist. Daraufhin schützt und schont der Patient seine Lendenwirbelsäule – und macht den Schmerz hierdurch noch schlimmer.

SPIEGEL: Wer zu verschiedenen Behandlern geht, der bekommt oft sehr unterschiedliche Erklärungen für seinen Schmerz serviert. Warum ist das so?

Richter: Die Erklärungsmodelle der verschiedenen Heilberufe können sehr unterschiedlich sein, erst recht, wenn die Beschwerden bei einem Patienten nicht weggehen. Deswegen bekommt er unzählige Befunde und Diagnosen zu hören. Der Patient versteht das leider so: Was ich habe, ist so komplex, dass keiner die Ursache finden kann. Wir sehen Patienten, die kommen mit Aktenordnern voller Diagnosen und Berichte. Sie werden vom System regelrecht krank gehalten.

SPIEGEL: Was empfehlen Sie?

Richter: Zu Beginn sollte der Behandler den Patienten systematisch informieren: Schmerz ist ein Frühwarnsystem, das bereits aktiviert wird, wenn potenzieller Schaden droht oder erwartet wird, auch wenn gar keine Struktur beschädigt ist. Schmerz ist also nicht identisch mit einem Gewebeschaden – und deshalb kann man trotz Rückenschmerzen aktiv sein. Mit dieser Botschaft bekommen wir viele chronische Patienten wieder zurück in die Aktivität.

SPIEGEL: Hilft Ihr Ansatz auch Menschen mit nur gelegentlichen Beschwerden?

Richter: Rückenschmerz ist nahezu immer gutartig und geht von allein weg – wenn das mehr Menschen wüssten, dann gäbe es für viele Hausärzte, Orthopäden und Physiotherapeuten gar nicht mehr die Möglichkeit, das Krankheitsbild Rückenschmerz so aufzubauschen.

FAZIT: Wir Ärzte sollten sehr auf unsere Worte achten. Meinen es oft gar nicht böse, werden aber noch schlimmer verstanden – mit schwerwiegenden Folgen für den Krankheitsverlauf. Und besonders wichtig scheint mir auch die Aussage, dass man „trotz Rückenschmerzen aktiv sein“ solle. Also sich eben gerade nicht schonen müsse. Wieder einmal lernen wir, dass Heilung auf Aktivität beruht !

Übrigens: Das Schmerzmittel Diclofenac (ein NSAR) hilft Ihnen auch, schädigt aber über Jahre genommen ziemlich sicher und unwiderruflich die Nieren. (News vom 11.03.2018)

Gene sind kein Schicksal

… auch wenn das schon längst ein Stehsatz geworden ist bei wohl jedem von uns genauso wie bei den Forschern. Wir haben’s nun einmal in der Schule gelernt. Der Mensch ist genetisch festgelegt. Darum glauben wir sie auch so gerne, die täglichen Erklärungen in den Frauenzeitschriften: Übergewicht, schwere Knochen, Bindegewebsschwäche … alles genetisch bestimmt. Keine Chance. Und Wissenschaftler veröffentlichen fast täglich Arbeiten, in denen sie schon wieder neue Autismus-Gene, Krebs-Gene, Diabetes-Gene beschreiben.

Ein falscher Glaubenssatz! Weil so wichtig, gehe ich auch in dem neuen Buch „Der Schlüssel zur Gesundheit“ ausführlich auf diesen Punkt ein. So im Folgenden:

Das Geheimnis liegt nicht im Text der Gene, sondern in der Regulierung ihrer Aktivität“ – was Joachim Bauer sagt, ist eine so zentrale Aussage, dass ich sie nicht oft genug wiederholen kann. Denn es macht für den Verlauf einer Heilung einen riesigen Unterschied, ob ein Patient glaubt, seinen Genen hoffnungslos ausgeliefert zu sein. Oder ob er die aktuelle Forschung kennt und sicher ist, dass eben nicht seine Gene seine Gesundheit steuern. Und damit sein Schicksal. Sondern umgekehrt: Dass er seine Gene steuern kann. Ein gutes Stück weit! Und zwar durch Bewegung, Ernährung, Denken. In Ihrer Sprache:

Stillsitzen oder Sport,
Spaghetti oder Eiweiß,
Stress oder Entspannung.

Denn: Sobald der Patient erfährt, dass in jeder seiner Zellen Zehntausende von Genen sitzen, die sich durch Beziehungen und Lebensstil munter an- und ausschalten lassen, dann ist der/die raus aus der Opferrolle. Dann weiß man, dass man handeln kann.

Heißt für mich: Hilfe wird möglich. Heilung wird möglich.