EU erhöht COVAX-Fazilität für Impfstoffe auf 500 Millionen €

Für die sog. COVAX-Fazilität, also die weltweit gleichmäßige Verteilung von Impfstoffen gegen Covid-19, stellt die EU weitere 100 Mio. € zur Verfügung. Dadurch soll Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen der Zugang zum künftigen Covid-19-Impfstoff gesichert werden. Diese 100 Mio. € ergänzen die bisherigen 400 Mio. € an Garantien, welche die EU COVAX bereits zugesagt hat. „Inmitten der verheerenden Covid-19-Pandemie zeigt sich deutlich, dass eine weltweite Erholung nur dann möglich ist, wenn alle Menschen Zugang zu sicheren und wirksamen Impfstoffen haben. Daher verstärkt die EU ihre Unterstützung für die COVAX-Fazilität“, begründet EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen diese Investition.  Die Deutsche sei „stolz darauf“, dass das „Team Europa“ einer der größten Geldgeber für COVAX ist !

184 Länder

Die vorgeschlagene Zuweisung von 100 Mio. € aus der allgemeinen Reserve des 11. Europäischen Entwicklungsfonds (EEF) wird als Zuschuss für die Impfallianz Gavi gewährt, welche die COVAX-Fazilität verwaltet. Bislang beteiligen sich insgesamt 184 Länder an der COVAX-Fazilität, darunter 92 Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen, die durch die Abnahmegarantie der Gavi Zugang zu Covid-19-Impfstoffen erhalten können. Mit dieser Finanzhilfe werden die Kommission und ihre Partner allen Teilnehmern der Fazilität, einschließlich der Staaten in Afrika, im karibischen Raum und im Pazifischen Ozean (AKP), Optionen für den Erwerb zukünftiger Covid-19-Impfstoffe sichern.

Stella Kyriakides, EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, fügte hinzu: „Dieses Jahr mussten wir vieles lernen – vor allem aber haben wir erfahren, dass Solidarität stark macht. COVAX ist ein Beispiel dafür. Dieser zusätzliche Beitrag ist ein weiterer Schritt in Richtung des Ziels, den Kauf von 2 Mrd. Dosen Impfstoff für die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen in 92 Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen zu finanzieren. Doch 2021 wird noch mehr Unterstützung benötigt werden, um einen sicheren und wirksamen Impfstoff herzustellen und weltweit zu verteilen, sobald er verfügbar ist. Die EU wird am Ball bleiben.“

Covid-19: EU richtet 5 Botschaften an die Mitgliedsstaaten

Der Europäische Rat innerhalb der EU hat im Rahmen der Corona-Pandemie abermals einen koordinierten Ansatz gefordert. „Die Ausbreitung des Virus wird unsere Gesundheitssysteme überfordern, wenn wir nicht dringend handeln. Und es kommt darauf an, in der gesamten EU kohärent (zusammenhängend) vorzugehen“, sagte Kommissionspräsidentin von der Leyen in der anschließenden Pressekonferenz und richtete 5 Botschaften an die EU-Staats- und Regierungschefs.

VIDEO der Pressekonferenz

(1.) „Wir müssen umfassende und korrekte Daten in Echtzeit an die Plattform des ECDC melden.“ Das würde helfen bei der Einschätzung der Lage und der Koordinierung, z.B. im Hinblick auf die Spitäler und die Behandlung von Patienten über Staatsgrenzen hinweg. Die EU-Kommission stelle 220 Mio. € für die Finanzierung grenzüberschreitender Patiententransfers bereit. (2.) Es soll der Austausch von Erfahrungen und Analysen intensiviert werden. „Wir werden eine Plattform einrichten, die die Spezialisten, die die Regierungen der Mitgliedstaaten beraten, und die Experten, die die EU beraten, zusammenbringt“, erklärte die EU-Kommissionspräsidentin.

(3.) Die Corona-Tests sollen intensiviert werden: „Unser Ziel ist es, das Virus in Schach zu halten, und dafür muss massiv getestet werden“, betonte von der Leyen. (4.) Es soll die grenzüberschreitende Kontaktnachverfolgung verbessert werden. 22 Mitgliedstaaten hätten eine App zur Kontaktnachverfolgung entwickelt. Die Kommission habe dazu einen Datenabgleichdienst eingerichtet, damit alle Apps kommunizieren und die „Interoperabilität“ in der gesamten EU erreicht wird. (5.) Das betrifft die Bemühungen, Impfstoffe bereitzustellen. Dazu handele die EU derzeit mit Pharmakonzernen Abnahmegarantien im Namen der Mitgliedstaaten aus. Die Staaten sollen dazu die Impfpläne übermitteln.

Covid-19: EU kauft Impfstoff für 200 Millionen Bürger

Die EU-Kommission hat im Rahmen der EU-Impfstoffstrategie einen Vertrag über Abnahmegarantien mit dem Pharmakonzern Janssen Pharmaceutica NV genehmigt, dessen Impfstoffkandidat gegen Covid-19 sich bereits in Phase III der klinischen Studien befindet. Nach den Einkäufen bei AstraZeneca und  Sanofi-GSK ist das der bereits 3. Vertragsabschluss dieser Art. Darüber hinaus seien auch „erfolgreiche Sondierungsgespräche“ mit CureVac, BioNTech-Pfizer und Moderna geführt worden. Der jüngste Vertrag mit Janssen ermöglicht es den Mitgliedstaaten, Impfstoff für 200 Mio. Menschen anzukaufen – mit Option sogar der Verdoppelung.

Vorlaufkosten samt Abnahmegarantie

Die Entscheidung der Kommission zur Förderung dieses Impfstoffes beruhe auf einer fundierten wissenschaftlichen Grundlage der dabei eingesetzten Technologie, der Erfahrung des Konzerns in der Impfstoffentwicklung und seinen Produktionskapazitäten zur Belieferung der gesamten EU. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides kündigte an, dass aber noch weitere Vereinbarungen folgen werden. Mit den Abnahmegarantien wolle die Kommission die Entwicklung, Herstellung und Bereitstellung wirksamer und sicherer Covid-19-Impfstoffe fördern.

Dabei werde den Impfstoffherstellern ein Teil der Vorlaufkosten finanziert, um die Impfstoffentwicklung trotz damit verbundener immenser Kosten und hoher Risken voranzutreiben. Im Gegenzug erhalten die Mitgliedstaaten das Recht auf den Kauf einer bestimmten Anzahl an Impfdosen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes, um die Bevölkerung zu impfen. Diese könnten aber auch beschließen, den Impfstoff Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen zu spenden oder ihn anderen europäischen Ländern zukommen zu lassen.