Schulmedizin aktuell am 29. April 2020

Deutschland

Laut einer Umfrage von health tv sprechen sich 58 % der Deutschen gegen Kontakt- und Besuchsverbote aus. 34 % sind prinzipiell gegen das Tragen von einen Mund-Nasen-Schutz beim Einkaufen, im Bus oder in der Bahn. 63 % der Befragten wünschen sich auch, dass Restaurants wieder öffnen. Die Schließung von Freizeiteinrichtungen und die Absage von Großveranstaltungen jedoch hält eine Mehrheit für sinnvoll. Eine generelle Öffnung der Schulen befürworten 76 % der Deutschen, 89 % freuen sich schon auf den Friseurbesuch. (health tv, 29.04.2020)

Infografik: health tv

In Deutschland wird das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in öffentlichen Verkehrsmitteln und zumeist auch in Geschäften Pflicht. Alles, was es dabei zu beachten gilt, findet man in einem Video auf www.apotheken-umschau.de. Wissenschaftlich fundiert, verlässlich und für jedermann verständlich. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick: (1) Was ist wichtig beim Selbermachen ? (2) Wie lege ich den Mund-Nasen-Schutz richtig an und wie nehme ich ihn wieder ab ? (3) Was müssen Brillenträger beachten ? (4) Was ist beim Tragen wichtig ? (5) Wie reinige ich den Schutz richtig ? (Apotheken Umschau, 29.04.2020)

Der Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner befürwortet die Pflicht zum Tragen eines einfachen Mund-Nasen-Schutzes in öffentlichen Gebäuden und im Nahverkehr im Rahmen der Covid-19-Pandemie. Die Maskenpflicht dient nachweislich der Reduktion des Radius potentiell infektiöser Tröpfchenwolken (Aersole) in der Umgebung des Trägers. Das Tragen eines einfachen Mund-Nasen-Schutzes kann deshalb sehr gut beitragen, die beschlossenen Lockerungen bei sozialen Kontakten umzusetzen, ohne eine neuerliche/unkontrollierte Zunahme der Erkrankungen an SARS-Cov-2 zu riskieren. (Bundesverband der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdP), 29.04.2020)

Das medizinische Abtasten der Prostata hat ein schlechtes Image: Viele Männer schreckt allein schon die Vorstellung der Prozedur ab, zur Vorsorge beim Urologen zu gehen. Doch eine Prostata-Untersuchung ist nur halb so schlimm, wie viele meinen. In der Praxis dauert die Prozedur weniger als 1 eine Minute und erkennt dennoch einen Großteil derjenigen Prostatakarzinome, die gefährlich und behandlungsbedürftig erscheinen. Zudem ist der Prostata-Check Teil einer umfassenderen Vorsorgeuntersuchung, bei der der Arzt auch die Lymphknoten der Leiste abtastet, das äußere Genital untersucht und im Gespräch mögliche weitere Probleme erläutert. (Apotheken Umschau, 29.04.2020)

Als Alternative oder ergänzend wird oft ein Eiweiß mit dem Namen PSA, das prostataspezifische Antigen, im Blut bestimmt. Erhöhte Werte können auf ein Prostatakarzinom hinweisen. Da es sich aber um einen sehr sensiblen Test handelt, kommt es häufig zu falschem Alarm -- oder es werden sehr kleine und harmlose Karzinome aufgespürt und behandelt, die womöglich ein Leben lang unentdeckt und symptomlos geblieben wären. (Apotheken Umschau, 29.04.2020)

Der Online-Verkauf in Deutschland von Brillen hat sich nicht durchgesetzt. (Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen, 29.04.2020)

Österreich

Das österreichische Gesundheitssystem erlebt durch die Corona-Krise einen erzwungenen Digitalisierungsschritt, der in den letzten Jahren nicht für möglich gehalten wurde. Die Nachfrage nach e-Medikation, telefonischer Beratung, Telerehabilitation oder auch virtueller Psychotherapie ist groß und es gibt auch den Wunsch, diese digitalen Dienste auch nach der Krise aufrecht zu halten. (Praevenire, 29.04.2020)

Derzeit gibt es über 60 von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA zugelassene Biosimilars, von denen 37 auch in Österreich erhältlich sind. Biosimilars wirken zudem stark kostendämpfend auf den österreichischen Arzneimittel- und Gesundheitsmarkt und helfen damit das Gesundheitssystem finanzierbar zu halten. In Österreich konnten durch den Einsatz von Biosimilars in den letzten 10 Jahren bereits 200 Mio. € eingespart und für innovative Therapien eingesetzt werden. Bis 2023 ist ein Einsparungspotenzial von 500 Mio. € möglich. Der Markt für Biologika inkl. Biosimilars in Österreich beträgt rund 1,2 Mrd. €. Dabei besteht noch viel Potenzial, denn derzeit werden nur 23 % des Marktes von Biosimilars ausgeschöpft. (Biosimilarsverband Österreich, 29.04.2020)

Die Therapie von Wirbelsäulenbeschwerden hängt einerseits von der Intensität und andererseits von der Ursache – geklärt durch einen Befund – ab. Hat ein Patient Rückenschmerzen ohne Ausstrahlung in Arme und Beine, wird zunächst für einige Wochen eine Schmerzbehandlung und Physiotherapie empfohlen. Ist der Schmerz dann weitgehend verschwunden, handelt es sich zumeist um den „unspezifischen Kreuzschmerz“, bei welchem in der Regel kein chirurgischer Eingriff empfohlen wird. Hält der Schmerz allerdings an, dann sollte eine radiologische Abklärung mit Röntgen, MR oder auch CT durchgeführt werden. Zusätzlich sollte eine genaue neurologische Untersuchung und die Einleitung einer gezielten Therapie empfohlen werden, die mit Infiltrationen unter CT- oder Röntgenkontrolle erfolgen kann. (Österreichische Gesellschaft für Wirbelsäulenchirurgie, 29.04.2020)

Alternativ empfehlen Wirbelsäulenspezialisten eine intensivere Schmerztherapie mit Infusionen und Muskelaufbau mit Physiotherapie. Als Ursachen können eine Degeneration mit Bandscheibenproblemen, Wirbelverschiebungen (Listhese, Skoliose), Arthrose der Gelenke, gestörte Stellung der Gesamtwirbelsäule (Profilstörung) und auch eine Dysfunktion bzw. Arthrose vom Kreuz-Darmbeingelenk sein. Daneben können auch schwere Erkrankungen wie Entzündungen, Infektionen, Tumore oder Traumata, wie ein Wirbelbruch als Ursache gefunden werden. Halten die Schmerzen trotz Infiltrationen und intensiver Therapie an und erklärt der Befund das Problem, dann erst sollte ein chirurgischer Eingriff erfolgen, um folgenschwere negative Konsequenzen von andauernden Schmerzen zu verhindern bzw. zu mildern. Weitreichende Folgen unerträglicher Schmerzen können mitunter Stimmungsschwankungen bis zur Depression, laufende Krankenstände, die womöglich zum Verlust des Arbeitsplatzes führen können, bis hin zum Suizid, sein. (Österreichische Gesellschaft für Wirbelsäulenchirurgie, 29.04.2020)

Anders verhält es sich, wenn eine zusätzliche Schmerzausstrahlung in Arme und Beine vorliegt. Das ist ein Indiz dafür, dass sich der Nerv unter Druck befindet. Hier sollte die umgehende Abklärung mit Röntgen und MR erfolgen. Weiters können eine neurologische Untersuchung und die Einleitung von gezielten Behandlungen einschließlich CT oder Röntgeninfiltrationen empfohlen werden, sofern keine Lähmungen vorliegen. Bei Nichtbesserung nach 8 – 12 Wochen Therapie ist ein operativer Eingriff indiziert. Liegen allerdings Lähmungen (Schwäche einer Muskelgruppe), eine Blasen-Darmstörung oder Probleme vom Rückenmark (Querschnitt, Gangunsicherheit, Gefühl „wie auf Watte zu gehen“, Koordinationsstörungen, usw.) vor, dann besteht ein Notfall, der die sofortige Abklärung mit Röntgen und MR nötig macht und oft einen sofortigen chirurgischen Eingriff zur Folge hat. Studien belegen klar, dass ein rascher operativer Eingriff die besten Chancen einer Erholung oder Rückbildung von der Lähmung mit sich bringt – in diesem Fall drängt die Zeit und die OP sollte raschestmöglich erfolgen. (Österreichische Gesellschaft für Wirbelsäulenchirurgie, 29.04.2020)

Besteht ein neurologisches Defizit über mehrere Wochen und Monate, dann sinkt die Chance auf vollständige Genesung beträchtlich. Erfahrungsgemäß ist Untätigkeit in solchen Fällen, vor allem durch von manchen „Gesundheits-experten“ geäußerte Aussagen wie „da müssen Sie damit leben, und da kann man nichts machen“ die mit Abstand schlechteste Option und bleibende Schmerzen in der Folge wahrscheinlich. In jedem Fall sollte die Abklärung durch einen Wirbelsäulenspezialisten erfolgen, ebenso wie die Therapieplanung oder ein chirurgischer Eingriff. Informationen und Selbstdiagnosen auf diversen Internetseiten, aber auch vermeintliche „Sachbücher“ und Zeitungsartikel sollten immer kritisch hinterfragt werden, denn oft beinhalten sie haarsträubende, nachteilige oder sogar für Patienten gefährliche Informationen – davor warnt auch die Europäische Wirbelsäulengesellschaft EUROSPINE. (Österreichische Gesellschaft für Wirbelsäulenchirurgie, 29.04.2020)

Eine kurzzeitige, moderate Kältezufuhr kann Menschen mit braunem Fettgewebe helfen, 15 % mehr an Kalorien zu verbrennen als Personen, die über dieses Fettgewebe nicht verfügen. Bei Menschen und Säugetieren unterscheidet man zumindest 2 verschiedenen Fettdepot-Typen, nämlich dem weißen und dem braunen Fettgewebe. Weißes Fettgewebe speichert Fett und befindet sich hauptsächlich an Bauch, Po und Oberschenkeln. Bei erhöhtem Energiebedarf kann der Körper auf diese Depots zurückgreifen. Braunes Fett hingegen verbrennt Energie unter Freisetzung von Wärme. Mit dem Alter sowie bei Übergewicht nimmt die Anzahl dieser Zellen allerdings stetig ab. Das braune Fett sitzt bei Erwachsenen in tiefen Nacken/Halsbereichen sowie im Brustkorb. Braunes Fett gilt als Heizkraftwerk des menschlichen Körpers.  (MedUni Wien, 29.04.2020)

2019 mussten über 100 Personen in Österreich wegen einer FSME-Erkrankung im Spital behandelt werden. In rund 50 % der Fälle kam es zu Folgen wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen oder depressiven Verstimmungen. Mit der Impfung inklusive regelmäßiger Auffrischung jedoch könnte eine Infektion fast immer vermieden werden. (Österreichischer Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH), 29.04.2020)

Schreibe einen Kommentar