Im Ozean ohne Beine …

Von der Lavawüste in Hawaii hat man in letzter Zeit des Öfteren gehört. Sei der ultimative Test, das unschlagbare Trainingsmittel, um Ehrgeiz, Penetranz, Ausdauer zu erreichen. Also genau jene Eigenschaften, die man in unserer Welt braucht, um erfolgreich zu sein. Ob nun beruflich oder privat:

Man muss durchhalten können !

Das Leben ist nicht immer ein Kindergeburtstag. Das weiß jeder von uns. Beinahe täglich stößt man auf Hindernisse, auf Mauern, auf Fallgruben. Oft genug muss man auch wieder von vorne anfangen. Z.B. nach einer Geschäftsaufgabe oder in einem neuen Job. Mit Ehrgeiz, Penetranz und Ausdauer kommt man da wohl eher ans Ziel !

Dort auf Hawaii, beim „Ironman“ gibt es folglich auch „alles“: Kerle mit 120 kg genauso wie Menschen ohne Beine. Querschnittsgelähmte und Polio-gelähmte im Rollstuhl. Wie man dann schwimmt ? Googeln Sie bitte im Netz und schauen Sie sich das an.

Und schämen Sie sich ! Genau darauf will ich hinaus …

Das „Schämen“ möchte ich erklären und illustrieren an meiner Lieblingsgeschichte aus Hawaii: Da gibt es eine Sarah Reinertsen. Die junge Dame hat seit ihrer Kindheit nur ein Bein. Links trägt sie ab der Hüfte (!) eine Prothese. Das ist insofern äußerst erwähnenswert, weil man ohne Oberschenkelmuskulatur nicht Rad fahren (treten) kann. Reinertsen fährt also nur mit einem Bein Rad !

Vom Sport wurde sie in der Schule natürlich ausgeschlossen. Hat natürlich ihre Seele sehr verletzt. Die übliche (?) Trotzreaktion: Denen zeig ich’s ! Wurde dann Sportlerin mit nur einem Bein. Trat 2004 in Hawaii an und schwomm und radelte einbeinig durch die Lavawüste. Sie kam jedoch 15 Min. zu spät in die Wechselzone. Damit war sie out. Durfte den Marathon nicht mehr laufen !

In meine Seele hat sich dann folgendes Bild der jungen Sportlerin eingebrannt: Darauf hin setzt sich das Fräulein Reinertsen am Straßenrand auf einer Kiste beginnt bitterlich zu weinen. Wirkt völlig am Boden zerstört. Und warum das alles ?

SIE WEINTE, WEIL SIE DEN
MARATHON NICHT RENNEN DURFTE !

Dieses Bild habe ich jeden Tag vor Augen, wenn ich mit Patienten über das Thema Bewegung spreche. Sie zu ein bisschen Jogging überreden möchte. Ich manchmal sogar das Wort Marathon in den Mund nehme und … dann das blanke Entsetzen in Ihren Augen sehe. Oftmals auch nur das innerliche Kopfschütteln …

Dabei hätten die Meisten von Ihnen (noch) 2 gesunde Beine. Könnten die anstandslos benützen. Und die verehrte Frau Reinertsen ist einbeinig und zerfließt in Tränen, weil sie keinen Marathon laufen darf !!

Verstehen Sie den Unterschied ? Verstehen Sie jetzt, warum ich sage:

Schämen Sie sich, bitte !

Sarah hat im Jahr darauf die Lavawüste von Hawaii bezwungen. Die wird den Rest Ihres Lebens ziemlich sicher alles schaffen, was sie anpackt. Sie wird zwangsläufig Erfolg haben, weil sie einfach nicht aufgeben wird. Weil sie WEISS, dass sie durchhalten kann.

Oder nehmen wir Scott Ringsby. Hatte mit 18 Jahren einen Autounfall. Verlor beide Beine. Hat die Lavawüste von Hawai ebenfalls geschafft. Und keinesfalls fehlen dürfen die Querschnittsgelähmten, die durch Polio gelähmt im Rollstuhl sitzen, wie etwa Minda Dentler.

Haben Sie eine Vorstellung, wie man ohne Beine 4 km im Ozean schwimmt ? Und dann nur mit der Kraft der Arme 180 km Rad fährt, 42 km den Rolli bewegt ? Bei brütender Hitze ! Eventuell starkem Wind ? Eine kurze Steigung von 10 % mit dem Rollstuhl zu überwinden ? Für uns Normalmenschen schlicht unmöglich. Die Sportler im Rollstuhl machen das rückwärts, übrigens.

Fazit: Jeder kann ! Jeder von uns. Es gibt sogar blinde Alpinkletterer. Also wann wagen Sie endlich Ihren 1. Wettkampf ? Oder setzen sich ein scheinbar unmögliches Ziel ? Wir reden hier auch nicht von Lebensgefahr, sondern von einem betreuten, zivilisierten Wettkampf !

Oder fehlt Ihnen dazu die INNERE BEGEISTERUNG ? Dann lesen Sie dazu bitte nochmals die News vom 31.12.2018 und überwinden Sie Ihre Resignation.

PS: Ein gewisser Andreas Steindl läuft – ohne Handicap – in 4 Stunden mal schnell von der Ortsmitte in Zermatt auf den Gipfel des Matterhorns und wieder zurück … Hier geht’s zum Video.

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