EU-Spendenmarathon bringt 16 Mrd. € gegen Covid-19

Der von der EU und Global Citizen veranstaltete 2. internationale Spendengipfel hat 6,15 Mrd. € an zusätzlichen Mitteln mobilisiert, um die Entwicklung und die Verfügbarkeit von Impfstoffen, Therapeutika und Diagnostika zur Bekämpfung des Coronavirus zu unterstützen. Der Betrag beinhaltet 4,9 Mrd. € von der Europäischen Investitionsbank und der EU-Kommission sowie 485 Mio. von den EU-Mitgliedstaaten. Damit belaufen sich die finanziellen Zusagen, die im Rahmen des am 4. Mai 2020 begonnen Spendenmarathons eingegangen sind, auf insgesamt 16 Mrd. €.

EU mobilisiert gegen das Coronavirus und schlechte Luft – Pandemie-Anfälligkeit

Am 7. Juni 2020 geht ein weltweiter Spendengipfel zur Bekämpfung des Coronavirus über die Bühne. Höhepunkt der Kampagne Global Goal: Unite for our Future wird ein Popkonzert mit Weltstars sein. Der deutsche TV-Sender ARD sendet live ab 20:15. Ziel der Großveranstaltung ist zusätzliche Mittel für die Entwicklung und die weltweite Verfügbarkeit von Impfstoffen, Therapeutika und Diagnostika im Kampf gegen das Coronavirus zu mobilisieren.

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen sagt dazu: „Um diese Pandemie wirklich hinter uns zu bringen müssen wir in beispiellosem Tempo und Umfang in die Herstellung von Impfstoffen investieren. Und wir müssen diese Impfstoffe erschwinglich machen. Diese Aufgabe kann nur bewältigt werden, wenn die Welt sich mit vereinten Kräften dafür einsetzt.  Seien Sie also morgen dabei ! Lassen Sie uns gemeinsam eine Corona-freie Zukunft für alle schaffen.“ Vor dem Konzert u.a. mit Coldplay, Justin Bieber und Shakira findet ein Politikgipfel statt, an dem auch UNO-Generalsekretär Guterres, Frankreichs Präsident Macron, die deutsche Bundeskanzlerin Merkel, Norwegens Premierministerin Solberg und der britische Premierministers Johnson teilnehmen werden.

Kampf gegen die Luftverschmutzung

Die EU-Mitgliedstaaten müssen den Kampf gegen Luftverschmutzung im Einklang mit den geltenden EU-Vorschriften verstärken. Das geht aus einem Bericht der Europäischen Kommission über die Umsetzung der Richtlinie über nationale Emissionsreduktionsverpflichtungen hervor. Letztere ist seit 31. Dezember 2016 in Kraft und soll sicherstellen, dass die für 2030 gesetzten Ziele des Programms „Saubere Luft“ erreicht werden. Bei vollständiger Umsetzung würde die Richtlinie die negativen Auswirkungen der Luftverschmutzung auf die Gesundheit bis 2030 um fast 50 % verringern und erhebliche Vorteile für Umwelt und Klima bringen.

„Von diesem Bericht geht eine klare Botschaft aus: In ganz Europa stellt die Atemluft immer noch für zu viele Bürger eine Gefahr dar. Wir brauchen daher wirksamere Maßnahmen, um die Luftverschmutzung zu verringern und die Emissionen in die Luft aus allen Sektoren, einschließlich Landwirtschaft, Verkehr und Energie, zu bekämpfen. Investitionen in sauberere Luft sind Investitionen in die Gesundheit der Bürger gleich wie in das Klima und werden auch unserer Wirtschaft Impulse verleihen“, verspricht EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius.

Pandemie-Anfälligkeit der EU-Länder

Die Creditreform Rating AG hat einen Index entwickelt, um die strukturelle Pandemie-Anfälligkeit der EU-Länder zu messen. Der Pandemic Vulnerability Index (PVI) gibt die ökonomische, gesundheitliche und gesellschaftliche Anfälligkeit bei einem derartigen Ausbruch wieder. Für den sog. PVI-Wert wurden primär folgende 5 Faktoren herangezogen: Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt, Gesundheitssystem, Bevölkerung und die Kapazitäten für das mobile Arbeiten.

EU-Länder sind unterschiedlich anfällig für Pandemien. (Bild: Creditreform Rating AG)

Der PVI zeigt deutlich, dass Staaten im Süden und am Rande der EU, namentlich Italien, Kroatien, Malta und Griechenland, tendenziell anfälliger sind für Pandemien als die Länder im Norden und im Kernland Europas wie Luxemburg, Deutschland und Dänemark. Gemein haben diese Länder ein hervorragendes Gesundheitssystem, einen hohen Wert bei der Möglichkeit des mobilen Arbeitens und stabile Arbeitsmärkte.

Deutschland übernimmt am 1. Juli 2020 den EU-Vorsitz

Der deutschen Bundesärztekammer zufolge, muss Deutschland die kommenden 6 Monate der EU-Präsidentschaft nutzen, um mit der Europäischen Union Strategien zur Bewältigung der Pandemie und zur Stärkung der Reaktionsfähigkeit in solchen Krisen auf den Weg zu bringen. So brauche man etwa europaweit abgestimmte Meldestrukturen bei der Nachverfolgung von Infektionsketten. Zudem müssten die jeweiligen Corona-Warn-Apps mit denen der anderen Mitgliedstaaten kompatibel gemacht werden. Und es sollten dringend gemeinsame Konzepte für die Bevorratung, die Beschaffung und vor allem für die Produktion von Schutzausrüstung, Medikamenten und Impfstoffen erarbeitet werden. Die Aufgaben für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft seien groß, doch die deutsche Ärzteschaft werde sich tatkräftig darin einbringen. (Bundesärztekammer, 24.06.2020)

Wünsche des BPI

Von der EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands ab 1. Juli 2020 verspricht sich der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) Impulse für die Stärkung des Pharmastandortes Europa. Die Coronakrise habe gezeigt, auf welch wackligen Beinen die Gesundheitsversorgung in Europa steht, so der BPI. Man brauche deshalb Rahmenbedingungen, um in Europa jederzeit unabhängig und flexibel auf sich verändernde Marktbedingungen reagieren zu können. Das sollte die deutsche EU-Ratspräsidentschaft auch im Blick haben und ihre Möglichkeiten nutzen, die Bedeutung der pharmazeutischen Industrie für die Volkswirtschaft und den Wissenschaftsstandort herauszustreichen. „Die europäische Pharmaindustrie müsse unter allen Umständen wettbewerbsfähig bleiben.“ (Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, 24.06.2020)

Hingegen liegt die Zuständigkeit für die Gesundheitspolitik aus guten Gründen bei den EU-Mitgliedstaaten. (Bundesärztekammer, 24.06.2020)

Weltstars helfen EU im Kampf gegen das Coronavirus

Die Kampagne „Global Goal: Unite for our Future“ zur Mobilisierung von Mitteln gegen das Coronavirus steuert auf den Höhepunkt am 27. Juni 2020 zu. Da nämlich findet ein weltweiter Spendengipfel samt Konzert statt. Im Rahmen der weltweiten Krisenreaktion auf das Coronavirus haben die EU und die NGO Global Citizen die Kampagne Global Goal: Unite for our Future gestartet. Das Line-up des Events am Samstag umfasst Stars wie Coldplay, Chris Rock und Hugh Jackman. Ziel ist, zusätzliche Mittel für die Entwicklung und den Einsatz von Impfstoffen, Tests und Behandlungen gegen das Coronavirus zu lukrieren und den Impfstoff – sobald verfügbar – weltweit verfügbar zu machen. „Am 27. Juni werden auf dem Gipfel und dem Konzert Künstler, Wissenschaftler sowie Staats- und Regierungschefs mit einer Stimme sprechen. Das ist wahrlich eine seltene Bekundung des weltweiten Zusammenhalts“, findet von der Leyen. Die EU setze sich mit größtem Nachdruck dafür ein, dass ein erschwinglicher Impfstoff allen zur Verfügung steht, die ihn benötigen. (EU Kommission, 22.06.2020)