EU kauft 5. Impfstoff gegen Covid-19 – 6. Impfstoff soll folgen

Mit den bis zu 405 Mio. Dosen Impfstoff des deutschen Pharmakonzerns CureVac hat die EU-Kommission nunmehr einen 5. Vertrag zur Bekämpfung von Covid-19 unterzeichnet. Ein 6. Vertrag (mit dem US-Konzern Moderna) ist laut Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen „bald unterschriftsreif“. Man wisse heute noch nicht, so die Deutsche, welche Impfstoffe letztlich sicher und wirksam sein werden. Daher brauche man „ein breites Spektrum an Impfstoffen, die sich auf unterschiedlichste Technologien stützen“.

Sicher und wirksam ?

Das Coronavirus breite sich nach wie vor „rasant in ganz Europa“ aus. Um dieser Pandemie ein Ende zu setzen, so von der Leyen, brauche man einen sicheren und wirksamen Impfstoff. Bislang wurden Impfstoff-Verträge mit den Konzernen AstraZeneca, Sanofi-GSK, Johnson & Johnson sowie BioNTech-Pfizer geschlossen.

EU plant europäischen Gesundheitsdatenraum

Die EU-Kommission plant 2021 einen europäischen Gesundheitsdatenraum zu schaffen. Dadurch soll im Hinblick auf eine sichere und patientenorientierte Nutzung von Gesundheitsdaten in Europa enger zusammengearbeitet werden können. Diese Absicht wurde von EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton und dem deutschen Gesundheitsminister Jens Spahn anlässlich der Konferenz „Digital Health 2020 – EU on the Move“ bekundet.

„Der europäische Gesundheitsdatenraum wird ein wesentlicher Bestandteil einer starken europäischen Gesundheitsunion sein. Daten retten Leben – dies hat uns die Covid-19-Krise ganz klar vor Augen geführt“, meint Kyriakides. Bis 2025 sollten Patienten aus allen Mitgliedstaaten bei Reisen ins Ausland ihre Daten an Angehörige der Gesundheitsberufe weitergeben können. Breton: „Die Stärkung und Ausweitung der Nutzung und Weiterverwendung von Gesundheitsdaten ist für einen innovativen und wettbewerbsfähigen EU-Gesundheitssektor von entscheidender Bedeutung und wird dazu beitragen, Europa gegen Herausforderungen wie die derzeitige Pandemie widerstandsfähiger zu machen.“

EU erhöht COVAX-Fazilität für Impfstoffe auf 500 Millionen €

Für die sog. COVAX-Fazilität, also die weltweit gleichmäßige Verteilung von Impfstoffen gegen Covid-19, stellt die EU weitere 100 Mio. € zur Verfügung. Dadurch soll Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen der Zugang zum künftigen Covid-19-Impfstoff gesichert werden. Diese 100 Mio. € ergänzen die bisherigen 400 Mio. € an Garantien, welche die EU COVAX bereits zugesagt hat. „Inmitten der verheerenden Covid-19-Pandemie zeigt sich deutlich, dass eine weltweite Erholung nur dann möglich ist, wenn alle Menschen Zugang zu sicheren und wirksamen Impfstoffen haben. Daher verstärkt die EU ihre Unterstützung für die COVAX-Fazilität“, begründet EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen diese Investition.  Die Deutsche sei „stolz darauf“, dass das „Team Europa“ einer der größten Geldgeber für COVAX ist !

184 Länder

Die vorgeschlagene Zuweisung von 100 Mio. € aus der allgemeinen Reserve des 11. Europäischen Entwicklungsfonds (EEF) wird als Zuschuss für die Impfallianz Gavi gewährt, welche die COVAX-Fazilität verwaltet. Bislang beteiligen sich insgesamt 184 Länder an der COVAX-Fazilität, darunter 92 Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen, die durch die Abnahmegarantie der Gavi Zugang zu Covid-19-Impfstoffen erhalten können. Mit dieser Finanzhilfe werden die Kommission und ihre Partner allen Teilnehmern der Fazilität, einschließlich der Staaten in Afrika, im karibischen Raum und im Pazifischen Ozean (AKP), Optionen für den Erwerb zukünftiger Covid-19-Impfstoffe sichern.

Stella Kyriakides, EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, fügte hinzu: „Dieses Jahr mussten wir vieles lernen – vor allem aber haben wir erfahren, dass Solidarität stark macht. COVAX ist ein Beispiel dafür. Dieser zusätzliche Beitrag ist ein weiterer Schritt in Richtung des Ziels, den Kauf von 2 Mrd. Dosen Impfstoff für die am stärksten gefährdeten Bevölkerungsgruppen in 92 Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen zu finanzieren. Doch 2021 wird noch mehr Unterstützung benötigt werden, um einen sicheren und wirksamen Impfstoff herzustellen und weltweit zu verteilen, sobald er verfügbar ist. Die EU wird am Ball bleiben.“

EU will europäische Gesundheitsunion schaffen

Die EU-Kommission hat am 11.11.2020 erste Schritte in Richtung einer europäischen Gesundheitsunion gesetzt. In deren Mittelpunkt steht ein neuer Rechtsrahmen für schwerwiegende, grenzüberschreitende Gesundheitsgefahren sowie die Aufwertung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).

VIDEO der Pressekonferenz

Das ECDC soll z.B. Empfehlungen für das Risikomanagement machen können und so für mehr Zusammenhalt in der Krisenbekämpfung sorgen. Zudem soll es künftig möglich sein, einen EU-Gesundheitsnotstand auszurufen und dadurch eine engere Koordinierung der Mitgliedsstaaten auszulösen. „Die Coronavirus-Pandemie hat ganz klar gezeigt, dass wir eine engere Kooperation in der EU brauchen, zudem resilientere Gesundheitssysteme und eine bessere Vorsorge vor künftigen Krisen“, untermauerte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen.

Zudem müsse in Zukunft mit grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren anders umgegangen werden. EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides (siehe Video) ergänzte: „Sinn und Zweck der europäischen Gesundheitsunion ist, dass wir uns als Union auf gemeinsame Gesundheitsgefahren vorbereiten und dagegen vorgehen. In einer Krise erwarten die Bürger zu Recht, dass sich die EU aktiver einbringt. Heute stärken wir die Grundlagen für eine sicherere, besser vorbereitete und widerstandsfähigere EU im Gesundheitsbereich. Dies wird unsere Fähigkeit zur gemeinsamen Reaktion erheblich verändern.“