30. Oktober 2019: Meldungen des Tages aus der Medizin

Europa

Das EU-Kartellamt und die Schweizer Wettbewerbskommission ermitteln aktuell gegen gleich 11 Pharmafirmen wegen möglicher Preisabsprachen im Pharmabereich. Der Verdacht: Beim Wirkstoff Scopolaminbutylbromid könnten die Pharmakonzerne den Verkaufspreis hochgehalten und sich die Märkte untereinander aufgeteilt haben. Scopolaminbutylbromid wird gegen krampfartige Bauchschmerzen, Nierenkoliken und Gallen- und Blasenkrämpfe eingesetzt – insbesondere im bekannten Medikament Buscopan. (Handelszeitung, 30.10.2019)

Die EU-Kommission hat eine Zulassung für das Medikament Xospata (Gilteritinib) von Astellas Pharma erteilt. Dabei handelt es sich um eine Monotherapie für die Behandlung von erwachsenen Patienten, die unter einer rezidivierten oder refraktären, akuten myeloischen Leukämie (AML) mit FLT3-Mutationen (FLT3mut+) leiden, die vom LeukoStrat CDx FLT3-Mutations-Assay von Invivoscribe entdeckt werden können. Invivoscribe hat den LeukoStrat CDx FLT3-Mutations-Assay in Zusammenarbeit mit Astellas als Begleitdiagnostikum entwickelt, um das Ansprechen von Patienten auf das AML-Medikament Xospata (Gilteritinib-Fumarat) von Astellas Pharma vorherzusagen. Die jetzt erteilte Zulassung stützt sich auf die Ergebnisse der Phase 3 ADMIRAL-Studie, in der Gilteritinib im Vergleich zu einer Zweitlinien-Chemotherapie bei Patienten mit einer rezidivierten oder refraktären FLT3mut+-AML untersucht wurde. Dabei zeigte sich bei Patienten, die mit Gilteritinib behandelt wurden, eine signifikant höhere Gesamtüberlebensrate (OS) als bei denjenigen, die eine Zweitlinien-Chemotherapie erhielten. Die mittlere OS für Patienten, die Gilteritinib erhielten, lag bei 9,3 Monaten, im Vergleich zu 5,6 Monaten bei Patienten, die lediglich mit einer Zweitlinien-Chemotherapie behandelt wurden. (Invivoscribe, Inc.; 30.10.2019)

Deutschland

Obwohl Nahrungsergänzungsmittel nicht unumstritten sind, werden sie doch für das Angebot in deutschen Apotheken immer wichtiger. Das bestätigen 73 % der befragten Apotheker. Laut 66 % davon steigt die Nachfrage nach Vitaminen, Mineralstoffen usw. bereits seit 5 Jahren an. Sogar 81 % des Apothekenpersonals sehen in NEM eine sinnvolle Ergänzung der Nahrung. (Apotheke adhoc, 30.10.2019)

Bei der Bekämpfung von Krebs erwarten die Deutschen in den nächsten Jahrzehnten (!) die größten medizinischen Fortschritte. 38 % der Deutschen verbinden große Hoffnungen mit der Stammzellenforschung, 35 % erwarten Fortschritte bei der Behandlung von neurologischen Erkrankungen. Wenn es um die medizinischen Erfolge der vergangenen 40 Jahre geht, dann nennen die Bundesbürger an 1. Stelle Organtransplantationen, gefolgt von der Aids-und Krebsforschung. (Amgen GmbH, 30.10.2019)

Infografik: Amgen GmbH

Unter medizinischen Erfolgen verstehen 7 von 10 Deutschen die Entwicklung neuer Arzneimittel gegen bislang unheilbare Krankheiten. 6 von 10 Bundesbürgern denken auch an das Ausrotten von Krankheiten und generell auch eine verbesserte Diagnostik. Jeder 2. Bundesbürger sieht es als die Aufgabe von Pharmafirmen an, neue Arzneimittel gegen unheilbare Krankheiten zu entwickeln. Das Ziel der Wissenschaft und Forschung jedoch ist (nur ?), die Lebensqualität und Lebenserwartung von Patienten mit ernsthaften Erkrankungen zu verbessern. (Amgen GmbH, 30.10.2019)

Bislang sind rund 300 Krebsarten bekannt, die sich in vielen Aspekten unterscheiden. Doch auch innerhalb einer Krebsart können die Unterschiede von Patient zu Patient groß sein. In Deutschland erkranken jährlich rund 476.000 Menschen neu an Krebs. Bei der Behandlung gehören Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie zu den zentralen Säulen. Doch Forscher suchen ständig nach neuen Ansätzen. Bei der Immuntherapie geht es darum, das Immunsystem des Patienten gegen den Krebs zu mobilisieren, in dem Krebszellen die Tarneigenschaft vor der körpereigenen Abwehr genommen wird. Danach könnten sie vom körpereigenen Immunsystem unschädlich gemacht werden. Hinter der Behandlung mit sog. Tumortherapiefeldern etwa steckt die Beobachtung, dass rasch wechselnde elektrische Felder die Teilung von Tumorzellen stören können. Im Einsatz ist diese Art der Behandlung bereits beim Glioblastom, dem häufigsten bösartigen Gehirntumor. (Novocure GmbH, 30.10.2019)

Mit der Cardiosiographie stellt die Cardisio GmbH erstmals ein Verfahren bereit, das eine Minderdurchblutung des Herzens nicht-invasiv und innerhalb kürzester Zeit erkennt. Das Verfahren eignet sich z.B. für die Bestimmung des Herzinfarktrisikos, zumal Erkrankungen des Herzens, die auf einer Minderdurchblutung basieren, tückisch sind und oft zu spät erkannt werden. Mit der Cardisiographie jedoch kann innerhalb weniger Minuten extrem präzise so eine Überprüfung erfolgen. Die Cardisiographie ist so einfach anzuwenden wie ein EKG, allerdings vermisst sie den Herzmuskel im 3-dimensionalen Raum. Die Werte werden dann durch einen modernen Algorithmus ausgewertet und das Ergebnis in einer dreidimensionalen EKG-Kurve angezeigt, die Rückschlüsse auf das Pumpverhalten des Herzens zulässt. (Cardisio GmbH, 30.10.2019)

Mehrheit der Menschen in Deutschland wünscht sich ein freundschaftliches Verhältnis zu den Nachbarn. Dazu zählen für 87 % das gegenseitige Grüßen und für 74-86 % gelegentliche Gespräche. Männer (73 %) wollen übrigens häufiger als Frauen (65 %) ein freundschaftliches Verhältnis mit den Nachbarn pflegen. Zudem interessant: Gerade in kleineren Gemeinden (bis zu 5.000 Einwohnern) möchten die Menschen eher weniger Kontakt zu ihren Nachbarn. (Vonovia SE, 30.10.2019)

Infografik: Vonovia SE

Ab einem Lottogewinn von 2.500 € steigt die Lebenszufriedenheit der Glücklichen an. Die waren selbst 2 Jahre danach noch immer glücklicher als davor. Das ergab eine Studie der Universität Zürich. Ein weiteres Ergebnis der lautet, dass auch eine Gehaltserhöhung die Lebenszufriedenheit langfristig steigern kann. Bleibt jetzt nur noch die Frage: Welche Option ist wahrscheinlicher – ein plötzlicher Lotteriegewinn oder mehr Geld vom Chef ? (Eurojackpot, 30.10.2019)

In jedem 2. Haushalt in Deutschland gibt es zumindest 1 Haustier. 44 % der Tierliebhaber achten beim Kauf von Tierfutter genauso auf die Zutaten wie bei den eigenen Lebensmitteln. (Sparwelt.de, 30.10.2019)

Infografik: Sparwelt.de

Fast 66 % der Generation 60+ in Deutschland leiden häufig unter Bewegungsschmerzen. … Bei knapp 80 % der Befragten, die Schmerz lindernde Cremes und Gele nutzen, ist „Voltaren“ das Schmerzmittel Nr. 1. (GlaxoSmithKline GmbH, 30.10.2019)

Österreich

Dass die Gesundheitsministerin die Empfehlungen der Bundeswettbewerbsbehörde zur Liberalisierung ignoriert, sorgt bei der Österreichischen Ärztekammer für Unverständnis. Brigitte Zarfl würde sich dabei auf die Apothekergesetznovelle von 2006 beziehen, wonach bei 1-Arzt-Gemeinden grundsätzlich der Vorrang der Hausapotheke gilt, in 2- und mehr-Arzt-Gemeinden jedoch öffentliche Apotheken den Vorrang hätten. (Österreichische Ärztekammer, 30.11.2019)

Nur ganz wenige Impfungen wären notwendig, damit COPD- und Asthma-Patienten ihr Infektionsrisiko für 2 weitere Erkrankungen – nämlich Pneumokokken-Lungenentzündungen und Influenza-Infektionen – erheblich senken könnten. Gleichzeitig würden sie eine mögliche Verschlechterung ihrer Lungenerkrankung bewirken. Doch trotz Kostenzuschüssen von den Krankenkassen und Empfehlungen von Experten wird dem kaum Folge geleistet. (Österreichischer Verband der Impfstoffhersteller, 30.11.2019)

Schweiz

Die Schweiz und die Pharmaindustrie gehen seit Jahrzehnten einen gemeinsamen Weg: Attraktive wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen haben die beeindruckende Entwicklung der forschenden Pharmaindustrie begünstigt. Gleichzeitig trägt die Pharmabranche als Pfeiler der Wirtschaft überdurchschnittlich zum Wohlstand der Schweiz bei. (Interpharma, 30.10.2019)

Der Schweizer Bundesrat hat einen Gesetz erarbeitet, mit dem die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und der Pflege von Angehörigen verbessert werden soll. Laut Schätzungen begleiten rund 1,9 Mio. Schweizer täglich ein Kind oder einen Erwachsenen. Im Jahr 2016 entsprach das 80 Mio. unbezahlten Arbeitsstunden. Das neue Gesetz sieht u.a. folgende Maßnahmen vor: Lohnfortzahlung bei kurzen Abwesenheiten infolge Betreuung sowie die Einführung eines bezahlten (max. 14 Wochen dauernden) Betreuungsurlaubes für Eltern von schwer kranken oder verunfallten Kindern. (Pro Infirmis Schweiz, 30.10.2019)

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