23. September 2019: Meldungen des Tages aus der Medizin

Welt

Am 1. Oktober findet der weltweite Morbus Gaucher-Tag statt. Dieser Tag wird genutzt, um auf die seltene Krankheit und den Anliegen von Betroffenen aufmerksam zu machen. Die Krankheit kann leicht übersehen werden, was schwere körperliche Beeinträchtigungen zur Folge haben kann. (medical relations GmbH, 23.09.2019)

Bild: medical relations GmbH

Europa

Fast 5 % der Europäer und über die Hälfte der Patienten in Pflegeheimen leiden an Stuhlinkontinenz oder anderen Krankheiten des Dick- und Endarms. Der Europäische Koloproktologenkongress vom 25.-27. Sept. 2019 in Wien tritt für die Endtabuisierung dieses Volksleidens ein und gibt Einblick in neue chirurgische Verfahren sowie Erkenntnisse der Krebs- und Stammzellenforschung. Koloproktologen beschäftigen sich mit den Erkrankungen des Dick- und Enddarms sowie Anus und arbeiten hauptsächlich chirurgisch. Häufige koloproktologische Diagnosen sind Hämorrhoidenleiden, Analfissuren, Infektionskrankheiten und Stuhlinkontinenz. (European Society of Coloproctology, 23.09.2019)

Foto: IAKW-AG, Getty Images / iStockphoto

In der EU wurde das präzisionsonkologische Medikament Vitrakvi (Larotrectinib) von Bayer zugelassen. Das Arzneimittel wird zur Behandlung von erwachsenen und pädiatrischen Patienten mit soliden Tumoren verwendet, die eine NTRK-Genfusion (neurotrophe Tyrosin-Rezeptor-Kinase) aufweisen und bei denen die Tumore lokal fortgeschritten oder metastasiert sind oder bei denen eine chirurgische Resektion wahrscheinlich eine hohe Morbidität zur Folge haben wird und für die keine zufriedenstellenden Therapieoptionen zur Verfügung stehen. Vitrakvi ist ein neuartiger und oral einzunehmender TRK-Inhibitor und erster Vertreter einer neuen Arzneimittelklasse, der gezielt für die Behandlung von Tumoren mit einer NTRK-Genfusion entwickelt wurde. In Studien erzielte Larotrectinib eine Gesamtansprechrate von 72 %, darunter 16 % Vollremissionen, und 75 % der Patienten setzten ihre Behandlung nach einem Jahr noch fort. Larotrectinib zeigte ein vorteilhaftes Sicherheitsprofil: Die Mehrzahl der unerwünschten Ereignisse war vom Grad 1 oder 2, und nur 3 % der Patienten mussten die Behandlung aufgrund unerwünschter Nebenwirkungen abbrechen. (Bayer Vital GmbH, 23.09.2019)

TRK-Fusionstumore entstehen aufgrund von NTRK-Genfusionen. Dies sind Chromosomenmutationen, die auftreten, wenn eines der neurotrophen Tyrosin-Rezeptor-Kinase (NTRK)-Gene sich auf abnorme Weise mit einem anderen, nicht zusammenhängenden Gen verbindet und ein anomales NTRK-Gen entsteht. Das daraus translatierte, anomale Protein oder auch TRK-Fusionsprotein ist kontinuierlich aktiv und dies kann zu einer unkontrollierten und möglicherweise krebsauslösenden Zellkommunikation führen. Diese Proteine sind der onkogene Treiber für die Entstehung und Ausbreitung von Tumoren bei Patienten mit TRK-Fusionstumoren. Diese können überall im Körper auftreten, da diese nicht an bestimmte Zell- oder Gewebearten gebunden sind. NTRK-Genfusionen kommen in unterschiedlicher Häufigkeit bei vielfältigen soliden Tumorerkrankungen bei Erwachsenen wie auch Kindern vor. Dazu zählen Lungen- und Schilddrüsenkrebs, gastrointestinale Tumore wie Dickdarm-, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Gallengangskarzinome oder Karzinome des Wurmfortsatzes, Sarkome, Tumore des zentralen Nervensystems (Gliome und Glioblastome), sekretorische Speicheldrüsenkarzinome sowie bestimmte pädiatrische Krebserkrankungen (Infantiles Fibrosarkom, Weichteilsarkome). (Bayer Vital GmbH, 23.09.2019)

Deutschland

Die Apotheken Umschau hat eine neue Zielgruppen im Auge: männlich und jung. Mit fast 19 Mio. Leser jeden Monat ist das Apotheken-Magazin auch Deutschlands meistgelesene Zeitschrift. Künftig wolle man auch interaktiv, vielfältig und crossmedial werden, so Dr. Dennis Ballwieser, Geschäftsführer des Wort & Bild Verlages. 90 % der Leser übrigens nehmen sich die Apotheken Umschau aus der jeweiligen „Stammapotheke“ mit, davon 85 % unabhängig vom Titelthema. (Wort & Bild Verlag, 23.09.2019)

Bild: Wort & Bild Verlag – Verlagsmedien

Müsli zum Frühstück soll gesund sein, sozusagen ein vollwertiger Start in den Tag mit Vitaminen und Ballaststoffen. Doch in vielen Produkten aus dem Supermarkt stecken unerwartet große Mengen Zucker. (Südwestrundfunk, 23.09.2019)

Der Körper eines erwachsenen Menschen besteht aus etwa 200 Knochen. Diese sorgen für Stabilität und übernehmen wichtige Schutzfunktionen für die inneren Organe. Was kann man tun, damit dieses Gerüst lange stabil bleibt, denn Osteoporose ist eine der häufigsten Erkrankungen in Deutschland. Rund 6 Mio. Deutsche sind davon betroffen. (Südwestrundfunk, 23.09.2019)

21 % der Männer und Frauen in Deutschland haben zumindest 1 Tattoo. 2012 waren es noch 11,4 %. Und gab es vor 30 Jahren bundesweit gerade einmal gut 20 Besitzer von Tattoo-Studios, so sind es mittlerweile rund 8.000. Doch nur gewerblich gemeldete Tattoo-Studios werden auch vom Gesundheitsamt kontrolliert. Fehlt es nämlich an Hygiene, kann es über eine infizierte Tätowier-Nadel zu HIV- oder Hepatitis-Infektionen kommen. Wenn der Tätowierer keine Latex-Handschuhe trägt oder sie auch nicht regelmäßig wechselt, kann sich die Wunde infizieren. Zudem: Vorsicht vor allergischen Reaktionen auf die Farbinhalte, am besten sollte man sich eine Liste mit allen Farbstoffen geben lassen. … Bei 6 % der Tätowierten kommt es zu gesundheitlichen Komplikationen. (Apotheken Umschau, 23.09.2019)

Nur jede 50. Patientenverfügung in Deutschland greift im Notfall. Ein ähnliches Ergebnis gibt es bei der Aussagekraft. Viele konventionelle Patientenverfügungen versagen also im Notfall. Das Problem ist deren Aufbau. (Patientenverfügung.digital, 23.09.2019)

Foto: Patientenverfügung.digital

Ernährung, Bewegung, Verantwortung: Bildungsprojekte der EDEKA Stiftung starten ins Schuljahr 2019/20. (Edeka Zentrale AG, 23.09.2019)

Niederlande

Rund 33 % der deutschen Bevölkerung leiden an einer Fructoseintoleranz. Mit zunehmender Verwendung von Fructose-Glukose-Sirup durch die Nahrungsmittelindustrie steigt diese Zahl auch weiter an. Die AixSwiss B.V. hat nun ein Produkt entwickelt, das Menschen mit intestinaler Fructoseintoleranz unterstützt. „Fructoflor“ enthält dazu den patentierten Bakterienstamm Lactobacillus fermentum LF7. Mit täglich einer Kapsel werden diese Bakterien innerhalb von 2 Monaten im Darm angesiedelt. Dieses besondere Milchsäurebakterium siedelt sich im menschlichen Dünndarm an und verarbeitet auch dort die mit der Nahrung aufgenommene Fructose. Dadurch gelangt deutlich weniger Fructose in den Dickdarm, wo die bekannten Symptome dann verhindert werden. (AixSwiss B.V., 23.09.2019)

Bei einer intestinalen Fructoseintoleranz, auch Fructosemalabsorption genannt, verursacht Fruchtzucker starke Beschwerden. Die Fructose aus der Nahrung kann im Dünndarm nicht aufgenommen werden und gelangt damit ungehindert in den Dickdarm. Dort entstehen schwere Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder Durchfall. Man unterscheidet zwischen der intestinalen und der hereditären Fructoseintoleranz, welche erblich bedingt ist. (AixSwiss B.V., 23.09.2019)

Österreich

In Österreich gibt es keinen Ärztemangel: Die Rektoren der 3 Medizinischen Universitäten in Österreich – Hellmut Samonigg (Med Uni Graz), Wolfgang Fleischhacker (Med Uni Innsbruck) und Markus Müller (MedUni Wien) – kritisieren darum eine politisch geforderte Verdoppelung der Studienplätze im Fach Medizin und sprechen vielmehr von einer „völlig falschen Strategie“. (Medizinische Universität Wien, 23.09.2019)

Pressekonferenz der Rektoren der 3 Medizinischen Universitäten Österreichs. (Foto: MedUnis Wien, Innsbruck und Graz / APA-Fotoservice / Hörmandinger)

Kaum ein halbes Jahr ist es her, dass die letzte Influenza-Saison in Österreich für beendet erklärt wurde. Im Unterschied zur Saison davor waren diesmal 2 verschiedene A-Stämme dominant: In 68 % der Fälle handelte es sich um den Stamm A(H1N1) und zu 32 % wurde der A(H3N2)-Stamm gefunden. Erkrankungen, denen Influenza-B-Viren zugrunde lagen, gab es nur wenige. Letzte Saison wurden vom Nationalen Referenzzentrum für Influenzaepidemiologie der AGES in Kooperation mit dem Nationalen Referenzlaboratorium für Influenza am Zentrum für Virologie der MedUni Wien 600 Influenza-bedingte Todesfälle errechnet. 2017/18 waren es 2.800. (Österreichischer Verband der Impfstoffhersteller, 23.09.2019)

In der Betreuung psychisch erkrankter Menschen hat Österreich großen Aufholbedarf ! Während die Zahl der Betroffenen seit Jahren zunimmt, gibt es bei der Versorgung in Österreich massive Lücken. Monatelange Wartezeiten – gerade für Kinder und Jugendliche – sind keine Seltenheit. Ein verspäteter Behandlungsbeginn führt jedoch bei Betroffenen zu mehr Leid und verursacht zudem im Gesundheits- und Sozialsystem Zusatzkosten in einer Höhe von Hunderten Millionen Euro. (Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen, 21.09.2019)

Bild: BÖP / Kolonja

Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie bringt in einem Offenen Brief nochmals seine große Sorge zum Entwurf des 3. Gewaltschutzgesetzes zum Ausdruck, der dem Parlament in Form des Antrages 970/A vorliegt. Es soll damit die Verschwiegenheitspflicht des Psychotherapiegesetzes § 15 ins Gegenteil verändert werde, also zu einer Meldepflicht von Aussagen der Patienten über Gewalt. Aber gerade diese Sicherheit über die Verschwiegenheit der Psychotherapeuten ist für viele potentielle Gewalttäter eine Hilfe das Risiko einer Gewalttat zu verhindern. Diese Verschwiegenheitspflicht abzuschaffen und ins Gegenteil zu verkehren in Form eines neuen Gesetzes bergen das Risiko eines Anstiegs von Gewalt und würden somit ihr eigentliches Ziel verfehlen ! (ÖBVP, 23.09.2019)

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