11. September 2019: Meldungen des Tages aus der Medizin

Deutschland

Eine ausgewogene Ernährung, Normalgewicht sowie ein möglichst geringer Konsum alkoholischer Getränke senken das Risiko, an Krebs zu erkranken. Etwa 40 % aller Krebsfälle, die jährlich neu diagnostiziert werden, wären durch eine gesündere Lebensweise vermeidbar. … Welche Lebensmittel können das Entstehen von Krebs fördern oder hemmen ? Diese und weitere Fragen zum Thema Krebs beantworten der Krebsinformationsdienst KID und das Infonetz Krebs telefonisch werktags täglich von 8 bis 20 Uhr. (Deutsche Krebshilfe, 11.09.2019)

Das Bundesumweltministerium und der Verband der Chemischen Industrie arbeiten seit 2010 an der Weiterentwicklung des sog. Human-Biomonitorings. Dabei geht es um die Entwicklung neuer Methoden, mit denen Chemikalien im menschlichen Körper nachgewiesen und gemessen werden können. Die Partner wollen für bis zu 50 Chemikalien, die über Lebensmittel, Luft, Kosmetika oder Gebrauchsgegenstände aufgenommen werden, erstmals Messmethoden entwickeln. 22 Stoffe können bereits gemessen werden. (Verband der Chemischen Industrie, 11.09.2019)

Alzheimer ist komplex: Die genauen Ursachen sind noch nicht erschöpfend erforscht. Das macht die Forschung sehr schwierig. Als sicher gilt, dass in verschiedenen Stadien der Krankheit unterschiedliche Faktoren ihren Verlauf beeinflussen. Bisherige Arzneimittelstudien (aktuell laufen 80 in der EU) mussten oft in fortgeschrittener Phase abgebrochen werden. Doch Aufgeben ist keine Option. Es gibt neue Ansätze, um dem Vergessen Einhalt zu gebieten. Derzeit fokussieren sich Wissenschaftler vor allem auf die sog. Tau-Proteine. Deren Molekülstruktur ist bei Alzheimer-Patienten gestört. Dadurch bilden sich Faserstrukturen (Fibrillen) in den Zellen. Diese verhindern die Kommunikation zwischen den Zellen und führen letztlich zu deren Tod und somit zum Verlust der kognitiven Fähigkeiten. Arzneimittelwirkstoffe könnten gezielt in die Ablagerungen eingreifen und so das Zellsterben verhindern. Andere Ansätze verfolgen das Ziel, Prozesse beim Stoffwechsel im Gehirn positiv zu beeinflussen oder bereits „abgelagerte“ Zellen schneller abbauen können. Auch an einer Impfung wird geforscht. Der Ansatz: Durch Impfstoffe die körpereigene Antikörper-Produktion so auszubilden, dass sich der Körper selbstständig gegen den Verfall wehren kann. (BPI, 11.09.2019)

Die Deutschen vertrauen in der Medizin grundsätzlich eher dem Menschen. Z.B. akzeptieren 95 % eine Diagnose durch Künstliche Intelligenz entweder gar nicht oder nur, wenn auch der Arzt zusätzlich eine Diagnose stellt. Und selbst im OP-Saal vertrauen 62 % eher einem Arzt statt einem Roboter. Roboter in der häuslichen Pflege sind für 75 % der Befragten sogar „ein Trauerspiel für die Gesellschaft“, weil damit der Kontakt zwischen Menschen verloren gehe. (Continentale Versicherungsverbund, 11.09.2019)

Infografik: Continentale Versicherungsverbund

40 % der Deutschen trauen sich nicht zu, in einem Notfall Erste Hilfe zu leisten. 88 % davon begründen das mit ihrer Angst, etwas falsch zu machen oder die Situation zu verschlimmern. (Johanniter Unfall Hilfe, 11.09.2019)

Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Prof. Wolf-Dieter Ludwig, warnt vor „Nocebo-Effekten“ bei der automatischen Substitution von Medikamenten. Diese könnten auftreten, wenn nicht mehr der Arzt den Wechsel von Originalpräparaten auf Biosimilars begleitet, sondern ein Apotheker. Denn es gebe noch keine Studien, die überzeugend belegen, dass die automatische Substitution stattfinden kann, ohne dass der therapeutische Nutzen beeinträchtigt wird. Ludwig: „Wenn ein Patient vom Original auf ein Biosimilar umgestellt werden soll, braucht es eine zeitaufwendige Beratung. Vertraut er dem neuen Präparat jedoch nicht, kann es sein, dass es nicht wirkt und der Patient die Behandlung abbricht.“ (Pro Generika, 11.09.2019)

Wir brauchen keine neuen Antibiotika, sondern eine bessere Diagnostik, die erlaubt, gezielter die vorhandenen Antibiotika einzusetzen. (Universitätsklinikum Jena, 11.09.2019)

Organersatzverfahren stehen heutzutage in nahezu jeder Klinik zur Verfügung. Die Herausforderung ist, diese Verfahren zu beherrschen und sie sinnvoll einzusetzen. Selbst Laien ist die Dialyse bei Nierenversagen bekannt, die Beatmung bei Lungenerkrankungen oder auch die „künstliche Ernährung“ über Infusionen. Aber noch recht jung und sehr aufwendig ist in der Intensivmedizin der Ersatz der Lungenfunktion mit Hilfe einer Art „Herz-Lungen-Maschine“, der „Extracorporalen Membranoxygenierung“, kurz ECMO. Noch seltener ist in der Intensivmedizin heutzutage die „Leberdialyse“. (Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, 11.09.2019)

Für Ärzte und Heilpraktiker in Deutschland gelten die gleichen gesetzlichen Anforderungen für die Praxisräume. Das gilt auch für Hygiene und Infektionsschutz, für Patientenrechte, Arzneimittelsicherheit und Qualität von Medizinprodukten. Heilpraktikerpraxen werden von den Gesundheitsämtern kontrolliert. Auch Heilpraktiker sind zur sorgfältigen Aufklärung der Patienten und zur Dokumentation verpflichtet. Sie bilden sich – genau wie Angehörige anderer Medizinberufe – regelmäßig fort und nutzen dabei zum Nachweis der Fortbildungsaktivität das Fortbildungszertifikat des BDH, das auch die Qualität der Fortbildung überprüft. (Bund Deutscher Heilpraktiker, 11.09.2019)

Es ist ein in der Gesellschaft weitgehend unbekanntes Phänomen: Viele Leistungssportler leiden unter Inkontinenz. Wegen ihrer biologischen Voraussetzungen sind vor allem Frauen betroffen. In manchen Sportarten liegt deren Quote bei bis zu 80 %. Noch gibt es aber zu wenige Physiotherapeuten in Deutschland, die ihren Fokus auf diese Thematik legen. Außerdem ist es nötig, insbesondere bei Leistungs- und Hochleistungssportlerinnen Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur in den Trainingsplan zu integrieren. Andererseits führt gerade starkes Untergewicht dazu, dass auch die Beckenbodenmuskulatur geschwächt ist. (Hochschule Fresenius, 11.09.2019)

Österreich

Rund 10 % der erwachsenen Österreicher leiden an Migräne. Dennoch haben 67 % der Betroffenen deswegen noch nie einen Arzt konsultiert. Mit der Zulassung der monoklonalen anti-CGRP-Antikörper für die Prophylaxe der Migräne steht seit gut einem Jahr erstmals eine Therapie zur Verfügung. (Novartis Austria GmbH, 11.09.2019)

Schweiz

In der Schweiz nehmen Patienten immer mehr medizinische Behandlungen in Anspruch. Dadurch wächst auch der Koordinationsbedarf, den Hausärzte immer weniger leisten können. So stieg etwa in den Spitälern die Zahl der Notfallbehandlungen um gut 40 %. Und auch häufiger denn je kommen bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall und Laboranalysen zum Einsatz. … Helsana ortet bei der Koordination medizinischer Leistungen großes Handlungspotential. Es ist zu prüfen, ob anderen Leistungserbringern wie z.B. den Apotheken entsprechende Kompetenzen zu übertragen sind oder neue Berufsgruppen zu Lasten der Grundversicherung tätig werden müssen, um dies zu bewerkstelligen. Die Ausschließlichkeit des Arztmonopols wird keinen Bestand haben. (Helsana Gruppe, 11.09.2019)

Auf dem Esstisch ist vegan schon länger hip. Jetzt hat der Trend auch die Börse erreicht. Kostenbewusste Anleger können in den weltweit 1. Exchange Traded Fund investieren, der komplett frei von Tierleid sein soll. Der US Vegan Climate ETF ist in alle Aktien investiert, die zum US Vegan Climate Index gehören. Den gibt es schon länger. Er hat im laufenden Jahr 23 % gewonnen. Ob es so gut weitergeht, wird sich zeigen. (Handelszeitung, 11.09.2019)

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